Blindfolded

audiovisuelle Installation zum Thema "Ecclesia und Synagoge"

Magdeburger Dom – Paradiespforte
Magdeburg 2009

Mit BLINDFOLDED (mit verbundenen Augen) nimmt Tilman Küntzel Stellung zu der Figurengruppe „Ecclesia und Synagoge“ und den „fünf törichten und fünf klugen Jungfrauen“, für dessen Einweihung diese Klanginstallation vom Magdeburger Musikverein e.V. in Auftrag gegebene wurde.
Die auf ein Jesusgleichnis (Matthäus 25, 1-13) zurückgehende Darstellung des hohen Mittelalters (1250) findet sich häufig an Westportalen gotischer Kathedralen. Sie wird vielerorts mit den Statuen „Ecclesia“ und „Synagoge“ dargestellt. So auch am Magdeburger Dom. Als personifizierte Darstellung der christlichen Kirche steht „Ecclesia“ der „Synagoga“ als mittelalterliche Allegorie des Judentums gegenüber. Die bildnerischen Darstellungen stehen ganz im Sinne der Substitutionstheologie des frühen Mittelalters. So erscheint Ecclesia als schöne, stolze Frauenfigur. Meist trägt sie eine Krone, hält ein Kreuz als Zeichen für das Christentum und einen Kelch als Zeichen für den neuen Bund. „Synagoga“ dagegen wird meist mit herunterfallender Krone, als Symbol der damals proklamierten Überwindung des Judentums durch das Christentum, sowie mit einer Binde über den Augen dargestellt; dies soll andeuten, dass die Synagoga, also das symbolisierte Judentum, Christus als den „wahren Messias“ nicht erkennt.

Mit der audiovisuellen Installation stellt sich Tilman Küntzel hinter die zeitgemäße Deutung des Dompredigers am Magdeburger Dom, Giselher Quast. Im übertragenden Sinne wird Ecclesia ebenfalls eine Augenbinde angelegt. Denn die Religionen als Philosophie begriffen ist doch gerade die stete Frage und das Suchen nach der eigenen Blindheit.

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