Akademie der Künste
Hanseatenweg Berlin-Tiergarten
25. – 17. 9. 2015
Akademie der Künste
Hanseatenweg Berlin-Tiergarten
25. – 17. 9. 2015
Ein parabolisch gekrümmten Flüsterspiegel hat die Eigenschaft, Schall aus der Frontalrichtung in einem Brennpunkt zu bündeln. Somit wirkt er wie ein riesig großes Ohr, das einen großen Teil der Schallenergie aus der Frontalrichtung aufnehmen kann.
Umgekehrt wird Schall, der am Brennpunkt erzeugt wird, von dem Flüsterspiegeln so reflektiert, dass er (fast) nur in Frontalrichtung abgestrahlt. Stehen nun zwei solche Spiegel gegenüber, wird bei einem Gespräch von Brennpunkt zu Brennpunkt kaum Schallenergie zu den Seiten „verschenkt“ und selbst in großen Entfernungen ist jedes Wort laut und deutlich zu verstehen.
Der Standort Kloster Gravenhorst ist prädestiniert Flüsterspiegel zu erhalten. Einerseits wegen der Lärmbelastung durch die angrenzende Autobahn, andererseits wegen des Besucherprofil. Eine Mischung aus (Klang-) Kunst erfahrene Rezipienten und Familien, Urlauber, bzw. Besucher der historischen Klosteranlage und Gastronomie.
Die Parabolsitze könnten sowohl temporär in der Ausstellungshalle des Künstlerhauses präsentiert werden, als auch auf der Skulpturenwiese vor dem Gebäude als ständige Einrichtung. Dabei wäre die Ausrichtung quer zur Autobahn zu beachten, sodass die Fahrgeräusche nicht in den Spiegel treffen.
Lichtsteuerung generiert Klänge.
Material: Acrylclas, Holz, elektronische Lichtsteuerung (Fake-TV), LEDs, Lichtsensoren, Tongeneratoren, Verstärker, piezoelektrische Transducer.
Eugen Wasner, Buchhalter von Beruf und Anfang 50, war mit Adolf Hitler zusammen in die Volksschule von Leonding bei Linz gegangen. Im Herbst 1943 diente er als Gefreiter in einer Infanteriekompanie an der Ostfront. Daß er „Adi“ gut kannte, nutzte Wasner weidlich aus – offenbar war er überzeugt, ihm könne so schnell nichts geschehen.
Wenn die Wehrmachtsberichte über den Rundfunk kamen, spielte er den Kritiker Hitlerscher Strategie, begleitet vom Beifall der Kameraden. Sie stachelten den schrulligen, redseligen Wasner immer weiter auf bis eines Tages jemand den Vorschlag machte, dem obersten Kriegs- und Feldherrn doch zu schreiben. Der wisse bestimmt nicht „wie es unten beim einfachen Landser“ aussehe.
Darauf Wasner: Ach, der Adolf! Der ist ja deppert schon von klein auf, wo ihm doch ein Ziegenbock den halben Zippedäus abgebissen hat!
Staunen bei den Kameraden, und Wasner fuhr fort:
Jawohl, ich bin doch selbst dabeigewesen. Eine Wette hat er gemacht, der Adi, daß er einem Ziegenbock ins Maul pinkeln würde. Als wir ihn ausgelacht haben, hat er gesagt: Kommt’s mit, wir gehen auf die Wies, da ist ein Ziegenbock.
Wasner will das Tier zwischen seinen Beinen gehalten haben, ein anderer Freund, der Kneisel Bruno, hat dem Ziegenbock mit nem Stock das Maul aufgesperrt, und der Adolf hat dem Bock ins Maul gepinkelt. Dann sei es geschehen:
Grad als er dabei war, hat der Freund den Stock weggezogen, der Bock hat hochgeschnappt und dem Adolf in den Zippedäus gebissen. Geschrien hat der Adi da aber fürchterlich und ist heulend davongelaufen.
Der Kompaniechef, ein offenbar erfahrener Soldat, wollte Wasner zu der Aussage drängen, er habe sich nur „einen dummen Scherz ausgedacht“. Der aber blieb dabei: Was wahr ist, muß wahr bleiben.
Zwei Tage danach saß Wasner in Untersuchungshaft, kurze Zeit danach stand er in Berlin vor dem Zentralgericht des Heeres. Der Zeuge Kneisel war tot, der Zeuge Hitler wurde natürlich weder vernommen noch gar geladen: Todesstrafe, weil sich der Angeklagte „durch üble Äußerungen über den Führer der Heimtücke und der Wehrkraftzersetzung“ schuldig gemacht habe. Bei Jesus und Maria, er hat’s aber doch getan, der Adi, seufzte Wasner, und dann, als er auf den Richtplatz geführt wurde, sagte er weinend seinem Verteidiger Dietrich Wilde: Ein Menschenlebengilt für nix, aber ich hoffe doch im Himmel droben.
Aus: Ein Menschenleben gilt für nix
DER SPIEGEL 43/1987


Schläft ein Lied, Repro auf Holz, elektronisches Element „Keyfinder“, Lautsprecher, size: 120 x 85 cm, Kunsthalle Baden-Baden 1992



Gruppenausstellung „Lichtkunst – Kunstlicht“
RGB – DANCING STICS
23. Januar – 15. Februar 2015
Badisches Kunstforum
Kuratiert von Klaus Grundmann
Mit Inge Gutbrod, Tilman Küntzel, Soim Lee, Anke Neumann, Horst Podoll, Sandra Simone Schmidt, Ulrike Anna Schwartz, Norbert Spätling, studiocandela.
Vernissage am 23.1.2015, 19.30 Uhr
Einführung: Klaus Grundmann M.A.
Dauer der Ausstellung 23. Jan. – 15. Febr. 2015
Inge Gutbrod, Fürth | Tilman Küntzel, Berlin | Soim Lee, Düsseldorf | Anke Neumann, Chemnitz | Horst Podoll, Berlin | Sandra Simone Schmidt, Freiburg i.Br | Ulrike Anna Schwartz, Zernien | Norbert Spätling, Freiburg i.Br | studiocandela, Herford
Keine Frage, aus der Perspektive dieses Stiftungsblogs gehört Tilman Küntzels Brunnen in Fröndenberg die klarste energiepolitische Pointe der Lichtweg-Marken in der Hellweg-Region zwischen Lippstadt, Hamm und Unna. So unscheinbar, wie Küntzels ebenerdige Arbeit auf den ersten Blick wirkt – wo liegt eigentlich Fröndenberg? – darf sie doch als einer der wichtigen kreativen „Wende“-Punkte in der laufenden Energiedebatte verstanden werden.

Denn das blitzblaue Wasserspiel-Video, mit dem der Künstler seinen Brunnen-Ablauf untermalt, stammt nicht aus dem Archiv. Küntzel projiziert Livebilder und den Originalton von Wasserturbulenzen aus dem Turbinenschacht in einem der drei Fröndenberger Wasserkraftwerke an der Ruhr, mit dem die Stadt einen großen Teil ihres Energiehungers stillt. Aktuell erzeugt Fröndenberg aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft rund 35 Millionen kWh Ökostrom pro Jahr.
Wenn sich künstlerische Energie in zornige verwandelt
Damit hat Tilman Küntzel mit seiner Audio-Video-Installation die Transformation von natürlicher Energieerzeugung zur Kunst im öffentlichen Raum nahtlos vollzogen. Dieser 2005 eingeweihte und unlängst restaurierte lichtkünstlerische Kurzschluss findet allerdings nicht immer die volle Akzeptanz der Anwohner. Insbesondere dann nicht, wenn sommers Kinder die Fließrinne in der Fröndenberger Fußgängerzone zum Leidwesen des tiefergelegenen Apothekers nebenan verstopfen und Tilman Küntzels künstlerische Energie in eine ziemlich zornige verwandeln. Aber das ist wohl eine ganz andere Geschichte.
Zurück zur Lichtkunst am Hellweg. Es sieht so aus, dass der neue Katalog zum Projekt noch in diesem Winter erscheinen wird. Wir werden darauf natürlich auch hier zurückkommen. Und auch für Tilman Küntzel gilt: Ein Besuch auf der Internetpräsenz des Künstlers lohnt sich ungemein: Für die gezeigten Videoarbeiten dort empfiehlt sich allerdings ein Gerät über Smartphone-Niveau und etwas Zeit. Es lohnt sich. Allein die Stare über Berlin mit allen weiteren Verlinkungen sind spektakulär und den Klick wert.