Alle Beiträge von Tilman Küntzel

Haus der Zukunft Berlin

Der Mensch zeichnet sich insb. dadurch aus, dass er über seine eigene Existenz reflektieren kann. Er gelangt zu immer neuen Erkenntnissen über die Komplexität des menschlichen Denkens, Entstehung des Leben auf dieser Erde und des Universums. Alle Erkenntnisse beruhen auf Verständnis über chemische Elemente und deren Verbindungen. Alle Stoffe die neu erfunden werden beruhen auf Verbindungen von Elementen die so in der Natur nicht vorkommen, die künstlich gebaut sind. Ein Medikament wie Octreotid ist ein solches künstliches Produkt, dass auf komplexes Wissen über Funktionsweisen des menschlichen Organismus beruht. Die chemische Struktur von z.B. Octreotid ist organisch aber künstlich erschaffen.
Haus der Zukunft_Octreotid2
Die Zukunft nimmt Formen an die neue Erkenntnisse bereitstellen. So wird sich die Zukunft durch Erkenntnisse über die sog. schwarze Energie (die alle Elemente zusammenhält) verändern. Wie wird die Zukunft aussehen, wenn der Mensch verstanden hat wie die Gehirnleistung des Denkens funktioniert? Wenn der Mensch die Entstehung des Kosmos und allen Lebens verstanden hat wird er es biotronisch beeinflussen oder nachbauen wollen oder Maschinen erschaffen, die, von der Zellteilung an, organisches Leben entwickeln und intelligentes Denken erlernen können.
Aus diesem Grunde liegt für mich die Zukunft im Design chemischer Elemente. Ein Design, dass um zu funktionieren in sich so ausgewogen sein muss, sodass es auch visuell ästhetisch und ausgewogen erscheint.
Haus der Zukunft_Intarsien
Die Pillenkapsel-Skulpturen stehen für das Verständnis des Menschen auf den eigenen Organismus und die darauf resultierende Einflussnahme. Die Skulpturen sind begehbar und schaffen die Verbindung zu dem angrenzenden Gelände der Charité.

Bombina Bombina

Jedes Tier dieser Spezie trägt ein eigenes Muster aus orangefarbenden Feldern am Bauch wie einen Fingerabdruck.

Im Raum befinden sich mehrere flache Becken gefüllt mit orangefarbener Flüssigkeit. Die Form der Becken zeichnet die Form der Flecken von Rotbauchunken nach. Der Raum ist abgedunkelt. Die Becken sind von unten beleuchtet, sodass die orangefarbene Flüssigkeit leuchtet. Im Becken sind Induktionslautsprecher eingelassen, die einzelne Unkenrufe wiedergeben. Die Induktionslautsprecher erzeugen sichtbare Vibrationen auf der Oberfläche der Flüssigkeit ab. Entsprechende Schatten werden an Wand und Decke des Raumes geworfen.
wannen

 

Unna*

International Light Art Award (ILAA)
FALLEN CHANDELIER
22. April – 3. September 2017
Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna
Mit Satoru Tamura, Tilman Küntzel, Vroegop/Schoonveld.

Sebastian Loskan

Solche Störungen können einem den Fernsehabend heftig versauen. Die Satelitenschüssel hat sich im Sturm um Millimeter verschoben, das Kabel-TV liefert nicht mehr alle Signale – schon zerfällt das Fernsehbild in kleine Klötzchen, in bunte Pixel. Doch ärgern gilt nicht: Wie man mit Aussetzern kreativ umgeht, zeigt Tilman Küntzel jetzt in Galerie 149 und Werkstatt 212 in der „Alten Bürger“.
Flying Cosmonaut 2013, oil on wood, size: 83 x 151 cm
Der Berliner Künstler hat sich schon als Kind mit der Konzentration auf bestimmte Signale beschäftigt: Von seinem fünften bis elften Lebensjahr saß der Spross einer Musikerfamilie am liebsten unterm Flügel der Eltern und genoss die brumenden Bässe. Und obwohl es mit Geige-, Flöte- und Klavierspielen bei ihm nicht viel wurde, hängte er an sein Kunststudium in Hamburg noch ein paar Semester Musikwissenschaft dran.
Bei der Ausstellungseröffnung wies Annemarie Arndt von der Galerie 149 auf den Einfluss des KomponistenMauricio Kagels hin – jenes theatrallischen Musikers, der für ein Stück zum 100. Geburtstag der Schallplatte 1998 in den Basaren Teherans und Bagdads jene platzsparenden Strogeigen aufspürte, die für die frühesten Grammophonaufnahmen vor dem Trichter verwendet und mit der Einführung des Mikrofons überflüssig wurden.
Küntzel hat dessen Lust auf kuriose Reize zum Vorbild genommen, als er 1000 Starenkästen per Lautsprecher beschallen ließ: Die gelehrigen Vögel, so seine Hoffnung, sollten diese Töne in ihren Gesang aufnehmen und dann beim Vogelzug nach Afrika als Gruß aus Europa verkünden – eine sehr poetische Idee.

Dicht am Totalausfall
Kurzum: Alles, was mit Signalen für Auge und Ohr und deren Übertragung zu tun hat, reizt den Künstler Küntzel. Der Musiker Jens Karstensen machte sich bei seiner Einführung prompt einen Spaß daraus, alle Arten von Stärungen aufzuzählen, die unsere Sprache hergibt. Ein ausgiebiger Exkurs über Fehlfunktionen, vom Dampfradio bis zurm DVB-T-Signal und zur digitalen Fehlerkorrektur folgte, gewürzt mit Hilferufen verzweifelter Fernsehzuschauer aus dem Internet. Danach konnte man sich eigentlich nur wundern, dass die 1920 x 1080 Bildpunkte (bei HD-Qualität mit 50 Vollbildern pro Sekunde) doch so oft fehlerfrei in der guten Stube landen.
Nun, ein Musterbeispiel für gelungene Störungen in Bild und Ton konnte man hernach im Hinterraum der Galerie bestaunen: Eine Dokumentation über Kosmonauten in China und Russland flackerte und rauschte gefährlich dicht am Totalsusfall über die Wand. Er habe da ein bisschenmit Geruckel an der Kabelbuchse nachgeholfen, verriet der Künstler, und das Ganze dann auf eine halbe Stunde zusammengeschnitten. Gesteuerter Zufall also – und reizvoll, weil dr Betrachter die ganze Zeit beschäftigt ist, die fehlenden Zusammenhänge im eigenen Kopf herzustellen.
Besonders stolz sei er auf eine Szene mit einem Kind auf dem Trampolin, verriet Küntzel: „Weil Dinge, die sich nicht bewegen bei der ∂igitalübertragung keine neuen Signale erhalten, wirkt der Hintergrund wie eingefroren, während sich das hopsende Kind im Pixelgewiter auflöst.“
Einzelne Störbilder hat Tilman Küntzel auf Papier getuscht oder auf Leinwand gemalt, hat eine 1/25-Sekunde ins analoge MEdium übertragen. Klötzchenballungen, wohin man sieht, manchmal guckt ein Gesicht heraus. Blickfang an der Hinterwand des Hauptraums (und auch nachts durchs Schaufenster zu sehen) ist eine Art gemalter TV-Bildschirm. Im schon ziemlich schwarzen Quadratgeflimmer finden sich mehr als drei Dutzend kleine Kerben, durch die wechselndes farbiges Licht strahlt. Ein „Gemälde“ wird zur Mattscheibe.
Ein Wechsel quer über die Straßenseite, und aus der ärgerlichen Störung wird die Störung als Baumaterial. Größer, gröber, bunter. Aus eigenen Farbpixel malt Küntzel einen Baum, auus Querstreifen schafft er geradezu designhaft ein Breitwand-TV, Kreisformen sorgen für Beruhigung. Der „Ästhetisierung der Störung“ (so der Ausstellungstitel) kann man sich hier ganz ungestört hingeben.

Kemnitz

Kunst- und Kulturfestival „TA LÄRM“  im Rahmen von „Begehungen No. 13“
THE GHOST IN THE MACHINE
8-Kanal Klanginstallation mit Körperschallaufnahmen mechanischer Web- und Strickmaschinen
18. – 21. August 2016
Textilfabrik Poelzig (ehemals Venus-Werke / Sigmund Goeritz AG)
Mit Steven Baelen, Edin Bajric, Carmen Büchner, Daniel Djamo, Daniel Engelberg, Manuel Fersen, Kosmos Giannoutakis, Ryo Ikeshiro, Silke kleine Kalvelage, Przemek Kamiński, Malte Kebbel, Amelie Kemmerzehl, Tilman Küntzel, Ines Lehmann, MASAMI, Heike Nowotnik, Jasmin Schaitl, Insa Schülting, Jan Sobotka, Rexy Tseng, Lukas Weiß.
Katalog

Berlin

Festival für elektronische Musik & Klangkunst „Kontakte“
SONIC EYE
Akademie der Künste Hanseatenweg Berlin-Tiergarten
25. – 17. September 2015
Mit Peter Vogel, Manuel Rocha, André Bartetzki, Dyffort und Driesch, Tilman Küntzel (Installationen).