Alle Beiträge von Tilman Küntzel

Frankfurt a.M.

Preisträgerausstellung „Visual Music Award 2009“
VORFELD
16. Oktober 2009
Cocoonclub Frankfurt a.M.
Mit Michael Eßer, Corinna Scherle, Christoph Eigener, I. Kinadeter+J. Moser+R. Ulrich, Kai Aune, Framebox T. Nowak+F. Zerban, Daniel Franke, Tilman Küntzel.

Magdeburg

Videoinstallation im Magdeburger Dom – Paradiesforte
BLINDFOLDET
Auftragswerk des Magdeburger Musikvereins e. V.  Im Rahmen der 6. Magdeburgisches Concerts in Kooperation mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Magdeburg und der Magdeburger Dommusik zum Thema Ecclesia und Synagoga.

Luleo (S)

Gruppenausstellung „LAB09 – Luleo Art Biennial “
RISK YOUR SKIN
mit Saugbarden Garra rufa
17. Juni – 23. August 2009
Kulturens Hus/Norbottens Museum och Museiparken
Mit Susannah Mira, Edith Derdyk, Dominick Talvacchio+Matt Irie, Izabela Terek-Jopkiewicz, Andreas Ramirez Gaviria, Lucas Ospina, Elena Kovylina, Kama Sokolnicka, Pablo Sigg, Cecilia Lundqvist, Yusuf Murat Sen, Tilman Küntzel, Benjamin Gerdes+Jennifer Hayashida, Sylvia Winkler+Stephan Köperl, Simon Gush, Caglary Uzum, Lena Lapschina, Christian Sievers, Luno Lagomarsina, Gebriele Edlbauer, Martin Sjoberg, Ulrika Ferm+Guillaume Aubry, Monika Goetz, Jaanus Samma, Mikael Lundberg.
Kilen Art Group Luleo, Kuratiert von Jan-Erik Lundström.

6. Magdeburgisches Concert Magdeburger Musikverein e.V.

Videoinstallation zum Thema Ecclesia und Synagoge
Paradiespforte des Magdeburger Doms
3. – 11. Oktober 2009

Mit BLINDFOLDED („mit verbundenen Augen“) nimmt Tilman Küntzel Stellung zu der Figurengruppe der fünf törichten und fünf klugen Jungfrauen, für dessen Einweihung diese Klanginstallation vom Magdeburger Musikverein e.V. in Auftrag gegebene wurde.
Die auf ein Jesusgleichnis (Matthäus 25, 1-13) zurückgehende Darstellung des hohen Mittelalters (1250) findet sich häufig an Westportalen gotischer Kathedralen. Sie wird vielerorts mit den Statuen Ecclesia und Synagoge dargestellt. So auch am Magdeburger Dom. Als personifizierte Darstellung der christlichen Kirche steht Ecclesia der Synagoga als mittelalterliche Allegorie des Judentums gegenüber. Die bildnerischen Darstellungen stehen ganz im Sinne der Substitutionstheologie des frühen Mittelalters. So erscheint Ecclesia als schöne, stolze Frauenfigur. Meist trägt sie eine Krone, hält ein Kreuz als Zeichen für das Christentum und einen Kelch als Zeichen für den neuen Bund. „Synagoga“ dagegen wird meist mit herunterfallender Krone, als Symbol der damals proklamierten Überwindung des Judentums durch das Christentum, sowie mit einer Binde über den Augen dargestellt; dies soll andeuten, dass die Synagoga, also das symbolisierte Judentum, Christus als den „wahren Messias“ nicht erkennt.
Mit der audiovisuellen Installation stellt sich Tilman Küntzel hinter die zeitgemäße Deutung des Dompredigers am Magdeburger Dom, Giselher Quast. Im übertragenden Sinne wird Ecclesia ebenfalls eine Augenbinde angelegt. Denn die Religionen als Philosophie begriffen ist doch gerade die stete Frage und das Suchen nach der eigenen Blindheit.

Dresden-Hellerau

Gruppen- und Wanderausstellung „Klangkunst – a German Sound“
ALLEGORIE DER SCHREIBTISCHLAMPE
1. – 17. Oktober 2009
1. Presentation: „TonLage“ Festival für neue Musik Festspielhaus Hellerau
Mit Jens Brand, Hans W. Koch, Roswitha von den Driesch+Jens-Uwe Dyffort, Frauke Eckhart, Ulrich Eller, Erwin Sache, Franz Martin Ulbrich, Tilman Küntzel, Christina Kubisch, Rolf Julius.
Kuratiert von Stefan Fricke + Johannes S. Sistermanns

Oliver Schneller

Pünktlich zur alljährlichen Ankunft der Starenschwärme am Himmel über Berlin eröffnete 2004 ein mehrtägiges Symposium unter dem Titel „Stare über Berlin“. Diese Veranstaltung fand unter Beteiligung von Künstlern, Ornithologen, Verhaltensforschern, Musikern und  Musikwissenschaftlern statt, die sich jeweils von unterschiedlichen Standpunkten aus der Phänomenologie des Vogelgesangs annäherten, um der Frage, nach dessen Einfluss auf künstlerische und ästhetische Formen auf die Spur zu kommen. Das Symposium stand unter dem Motto KLANGKUNST TRIFFT BIO-MUSIKOLOGIE und gliederte sich in die unterschiedlichsten Themenbereiche: einführenden philosophischen Betrachtungen über die Formation der Starenschwärme folgten wissenschaftliche Referate zum Sozialverhalten dieser Spezies. Kommunikationswissenschaftler äusserten sich zur Lautäußerung und Stimmen-Imitations-Fähigkeit der Stare, Neurophysiologen untersuchten Hörmechanismen im Gehirn von Vögeln und Menschen. In der Veranstaltungsreihe ÄSTHETISCHE ANALOGIEN DES VOGELSANGS schliesslich, wurde an verschiedenen Spielorten in Berlin ein faszinierendes Programm von Klanginstallationen und Konzerten mit Bezug zum Vogelgesang präsentiert.
Der Initiator und Kurator dieses in Berlin einmaligen Projektes war: Tilman Küntzel.

Ich erwähne dieses Projekt deshalb in einigem Detail, da sowohl die Konzeption des Symposiums wie auch die Ansatzweise unzweifelbar Tilman Küntzels persönliche und künstlerische Handschrift trägt und somit einige charakteristische  Eigenschaften dieses Künstlers anklingen, die auch zum Verständnis seiner heute Abend eröffneten Arbeit «Blindfolded» im Auftrag des Magdeburger Musikvereins und im Rahmen des  6. Magdeburgischen Concerts beitragen können.

Aber zuvor lassen sie mich einige der wichtigsten Stationen von Küntzels Werdegang schlaglichtartig hervorheben :
• geboren 1959 – Kunststudium Ende der 80er Jahre an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Claus Böhmler und Henning Christiansen –
• dem schloss sich Anfang der Neunziger Jahre die Immatrikulation im Bereich systematische Musikwissenschaft an der Uni Hamburg an. Es folgen mehrere Stipendien und Preise, die die Bandbreite von Küntzels Schaffen verdeutlichen –
• 1993 DAAD-Stipendium für einen Aufenthalt an der Universität San Diego in Kalifornien
• 1998 Atelierstipendium des Landes Niedersachsen zur Realisierung von Sonic Windsocks auf dem Signal Hill St. John’s, im kanadischen Neufundland
• 1998-99 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude
• 1999 EMARE- Stipendium für einen Aufenthalt am C3 in Budapest zur Realisierung interaktiver Internetprojekte
•1994-98 folgt dann ein Lehrauftrag an der Lüneburger Fachhochschule im Bereich Sozialpädagogik / visuelle Kommunikation: Klang und Farbe – wo  er unter Anderem das Bauen von Klang- und Geräuscherzeugern unterrichtet und die anschliessende Erstellung von Spielpartituren und Improvisationsformen
• 2001 Beteiligung an einem Künstleraustausch des Centre d’Arts Plastique Albert Chanot, im französischen Clamart
• 2002 Erster Deutscher Klangkunst-Preis des WDR und des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl
• 2003 Hedwig-Meyn-Preis, Lüneburg
• 2007 Gastdozentur an der Universität der Künste Berlin
• 2008 Aufenthaltstipendium „quartier21“ in Wien

Ich komme auf Küntzels Stare-Symposium zurück: an den meisten Berlinern  geht der alljähliche Besuch der Stare unbemerkt vorbei. Keiner hat Zeit, in den Himmel zu schauen oder dem stochastisch-symphonischen Massengezwitscher in den Lieblingsbäumen der Stare auf der Museumsinsel zuzuhören. Hält man jedoch einen Moment inne und lässt Auge und Ohr diesen erstaunlichen Lebewesen folgen, erfährt man ein Stück beiläufige Magie, die die Wahrnehmung vollkommen aus dem Zeitgefühl enthebt. Wach und aufmerksam für solche Momente und Beobachtungen zu sein und ihnen dann behutsam einen eigenen Wahrnehmungsraum zu gestalten ist ein Charakteristikum der Arbeit Küntzels.

Nehmen wir zum Besipiel die einsame Birke auf einer Landstrasse in der Nähe von Grimma bei Leipzig. Während einem Aufenthalt an der Kunstschmiede Höfgen hat Küntzel sie entdeckt und kurzerhand in seine Arbeit «Solar Knockers» integriert, einer  solarbetriebenen Klanginstallation, die autark und je unterscheidich nach Sonnenstand zurückhaltend oder  kapriziös eine Reihe von kunstvoll im Astwerk des Baumes verhängenten Weingläsern mit Hubmagnetschaltern bespielt. Niemand wird künftig die kleine Birke unbeachtet links liegen lassen!

In dem erwähnten Symposium « Stare über Berlin » ging es aber auch darum, darzustellen, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaft, die Verhaltensforschung, die Kommunikationswissenschaft bei der Untersuchung des Vogelgesangs gekommen ist. Dies wiederum wirft Licht auf eine weitere von Küntzels Eigenschaften, seine Arbeiten werden gründlich, informiert und epistemologisch durchaus kritisch angegangen. Erkenntnisse der Psychoakustik  – also: die Lehre von den auditorischen Wahrnehmungsmechanismen des menschlichen Gehörapparates – spielen ebenso eine Rolle in seinem Werkdesign, wie eine gekonnte Anwendung handwerklicher Fähigkeiten im Bereich der Akustik sowie der elektromechanischen, elektronischen, digitalen und internetbasierten Verarbeitungstechnik. Küntzel pflegt seine Werkzeuge, erweitert ihren Bestand und verfügt somit über eine breite Palette von Audrucksmitteln, die sich von der Konzeptkunst bis hin zu acousmatischer oder algorithmischer Komposition erstreckt. So beispielsweise sein Projekt «Seismophonie», das minimale seismographischen Bewegungen in den Bodenplatten eines architektonischen Fundamentes mißt und aus den Messergebnissen verstärkte elektronische Klänge in Echtzeit generiert entstehen lässt.

Auch soziale und sozialpsychologische Aspekte der Betrachtung fliessen in Küntzels Arbeit ein. Nehmen Sie beispielsweise «Worldcup 2006» auf der Berliner Sonambiente vorgestellt: Möglicherweise die längste Klangcollage der Welt mit insgesamt 64 Mal 120 Minuten Sprachaufnahmen werden hier Fußball-Radioreportagen aller 64 Spiele der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in den originalen Ländersprachen überlagert, eine Sound-Wall, die eindrucksvoll das Phänomen des Fussballspiel-Elans hart an der Grenze zur massenpsychologischen Hysterie dokumentiert.

Zuletzt – und hier kann ich als Zeuge aussagen – war eine bestimmendes Merkmal des Berliner Symposiums, die Begeisterung, die Tilman Küntzel selbst für sein Sujet zeigte, eine Begeisterung, die sich bereits in der Planungsphase wellenförmig auf alle Beteiligten – Künstler, Referenten, Organisatoren und somit dann bei der Realisierung natürlich auch auf das Publikum – übertrug und die Veranstaltung zu einem ungewöhnlichen kulturellen Highlight des Jahres 2004 in Berlin werden liess.

Die hier angeführten Eigenschaften nun prägen auch die Arbeit «Blindfolded» eine Annäherung an eine nicht einfache, kulturgeschichtlich belastete Thematik. Küntzel gelingt zugleich und paradoxerweise ein sehr naher und persönlicher wie auch gleichermassen distanzierter und neutraler Zugang.  Seine Figuren, männliche und weibliche, suchen mit verbundenen Augen Orientierung in absoluter Dunkelheit: eine Darstellung, die Inneres (also den Sinneszustand der Suchenden) mit dem Äusseren (also dem halt- und dimensinslosen Umfeld, in dem sie sich mit fast tänzerisch wirkender Grazie bewegen) gleichsetzt. Dies allein ein starker und symbolisch aussagekräftiger Einfall.

Das Bild wird eingefasst von einer auf zwei Kanäle reduzierten achtkanäligen Tonspur aus körperhaften Klängen, die sporadisch und selbst tastend einen fragilen Kontakt zu dem Bild zu suchen scheinen, bevor sie sich wieder in das gegebene klangliche Umfeld der Paradiespforte zurückziehen.

Ein Stück weisses Tuch verbindet als gegenständlicher Vermittler die mediale mit der materiellen Welt – und lässt den Blick und das Ohr hinabtauchen in die Tiefe der Erscheinungen.

Vielen Dank.

Berlin

Gruppenausstellung „Tiefenklang“
NEOPHONE RAUMINSTALLATION
14. August – 12. September 2009
Nordräume U-Bahnhof Gesundbrunnen nördliches Zugangsbauwerk,
in Kooperation mit Berliner Unterwelten.
Mit Martin Danske, Shingo Inao, Tilman Küntzel, Claudia Robles, Ute Safin, Wolfgang Spahn, Thomas Gerwin, Veit-Lup.

Luleå Art Biennale LAB09 Luleå, Sweden

RISK
It is human to make a mistake. Or two…
Curated by Jan-Erik Lundström
June 17 – August 23 2009

A visitor puts his feet into an aquarium with Saugbarben-fishes (lat: Garra Rufa, also named as Psoriasis-Fishes or Kangal-Fishes).

This fishes are nibbling at human skins, so that the old surface peels off. The fishes like to eat the old skin. It is an Asian method of refreshing the skin, for to prevent skin diseases like Psoriasis. According to the theme “RISK – its human to make a mistake. Or two…” my proposal focus on the recovery after having done thinks one likes to regret and opens a positive perspective. On the other hand the visitor feels the risk the fishes could not stop eating the skin and the whole foot like the Piranhas would probably do.