25 track audio visual light installation – live processing – at Center for international Light Art, Unna, Germany 2017
25 track audio visual light installation – live processing – at Center for international Light Art, Unna, Germany 2017
Bremerhaven 30. Oktober – 7. November 2010
Präsentation @ Galerie 149 Bremerhaven
(…) Strom, durch Licht erzeugt, war der Antrieb für die sich bewegenden Bilder, die das sechsköpfige Moving-Solar Team mit dem Klangkünstler Tilman Küntzel für die „Cooltour“ in der Galerie 149 an den Wänden montiert hatte. Bei Lichtenergiezufuhr drehten sich die Räder und war das Knacken der Masten zu hören, ließ die Blume die Blüten rotieren. An der Karibik-Bar durfte unter der Palme und den langsam flatternden Vögeln (Jaqueline) relaxt werden – das Schlagen der Bongos übernahm ganz von selbst ein ausgerollter Draht.
(Ulrich Müler Sonntagszeitung Bremerhaven vom 7.11.2010)
Lichtakustische Inszenierung zwischen dem Wasserkraftwerk an der Ruhr und der Fließrinne und Brunnen an der Sparkasse in Fröndenberg an der Ruhr.
Ein Projekt im Rahmen von Hellweg – ein Lichtweg der Region Hellweg (Kurator: Matthias Wagner K) vertreten durch die Kommunen Bergkamen, Fröndenberg, Kamen und Lippstadt, gefördert vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW.
Planung & Bauleitung: Ing. – Büro Hagen, Menden, Schachtbauwerk: Fa. Wastrohr, Münster, Tiefbauarbeiten: Fa. EVS, Menden, Glasarbeiten: Fa. Heuer & Garre, Dortmund, Medientechnik: Fa. et-medientechnik, Unna, Brunnenabdeckung: Fa. Klostermann, Bestwig, Elektroarbeiten: Fa. Stier, Fröndenberg, Leitungsarbeiten: Stadtwerke, Fröndenberg, Videoüberwachung: Fa. Hormann, Menden
Im Jahr 2003 lobte die Stadt Fröndenberg einen Wettbewerb aus. Für das Wasserkraftwerk an der Ruhr sollte eine künstlerische Lichtinszenierung und für den Weg zwischen dem Wasserkraftwerk und der Innenstadt von Fröndenberg eine lichtakustische Skulptur entwickelt werden. Von den eingegangenen Entwürfen wählte die Jury einstimmig den Projektvorschlag von Tilman Küntzel aus, obgleich sich der Künstler entgegen der Ausschreibung lediglich für einen Standort entschieden hatte. Die von Küntzel realisierte Lichtskulptur führte zur Umgesataltung des Brunnens vor der Sparkasse. Dieser wurde mit einem von einer Glasscheibe abgedeckten und im Auslauf des Brunnens versenkten Zylinder versehen. Darin befinden sich mehrere Lautsprecher und ein Videoprojektor, der am Fröndenberger Wasserkraftwerk aufgenommene „Wasser-Bilder“ auf die Unterseite der Glasplatte projiziert und über Lautsprecher die Fließgeräusche wiedergibt.
Matthias Wagner K
Text aus dem Katalog, 143 Seiten, 31 Künstler, 10 Städte, erschienen 2014

Fußball-Radioreportagen aller 64 Spiele der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in den original Ländersprachen, collagiert nach den jeweiligen Spielparteien.
Das improvisierte Sprechen eines Radioreporters in einem Stadion ist ein Klangereignis, das von höchster Kunst der Lautäußerung zeugt. Der Sprachduktus wird von emotionalen Empfindungen bestimmt, denen der Reporter beim Beschreiben des Spielverlaufs ausgesetzt ist. Tilman Küntzel hat im Verlauf der Fußball Weltmeisterschaft 2006 alle Radioübertragungen der Länderspiele live in den jeweiligen Ländersprachen aufgezeichnet. Dieses geschah über Satellit, Mittelwelle oder Internetstream – oder wurde in den jeweiligen Ländern direkt mitgeschnitten. Jeweils die Reportagen der beiden gegnerischen Mannschaften wurden dann synchronisiert und sind in der Installation als parallele Klangcollagenpaare hörbar. Sie sind zugleich Sinnbild für die simultan stattfindende Entladung emotionaler Energien bei Milliarden von Menschen rund um den Globus. Hören wir hinein, hören wir in den Resonanzraum dieser Welt.
Im Rahmen von „Sonambiente“ Akademie der Künste Berlin 9. Juni – 9. Juli 2006
Die Texte wurden von dem Internetroboter BABELFICH in folgender Reihenfolge übersetzt: deutsch, englisch, französisch, englisch, italienisch, englisch, portugiesisch, englisch, spanisch, englisch, deutsch. Fehlinterpretationen durch die Software führten zu den Variationen der Texte. Korrekturen wurden nicht vorgenommen. Länge: 18,55 min.
Die Sprecher: Jean-Baptiste Joly (deutsch), Jo von Norden (englisch), Clair Nangelini (französisch), Sarah Glosauer (englisch), Carolina Short (italienisch), Chiyoko Szlavnics (englisch), Tomás Garcia (portugisisch), Ferrari, Kerry Laitala (englisch), Henik Rost (deutsch).
mit freundlicher Unterstützung von
Stephan von Huene
Rolf Julius
Allen Kaprow
Paul Panhuysen
Rene van Peer
Auf einer externen Webpage ist dieses Projekte mit 19 Klangbeispielen dokumentiert.
Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und eure Perlen nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen
Matthäus Evangelium
Ausstellungskonzept für den CLB-Projektraum Berlin
Zur Einordnung muß festgestellt werden, dass es zwei Strömungen des Genres der Klangkunst gibt. Die eine kommt aus der bildenden Kunst und die andere aus der Musikwissenschaft und Komponist*innen neuer- bzw. elektroakustischer Musik.
Meine Wurzeln liegen in der Bildenden Kunst; dem Studium an der HfBK-Hamburg 1985-1992 im Fachbereich Freie Kunst. Die klingenden Künste wurden in dieser Zeit besonders gefördert durch den Präsidenten Carl Vogel und Professoren wie Gerhard Rühm und KP Brehmer in Assoziation mit René Block und der Gelben Musik von Ursula Block. Lehrkräfte wie Claus Böhmler, Ernst Mitzka, Henning Christiansen und Gästen wie Joe Joens, Bo Hanson, Mauricio Kagel und Bill Fontana ermöglichten einen Auseinandersetzung im Umgang mit dem akustischen Material. 1992 wurde mir durch Stephan von Huene ein Aufenthalt in Kalifornien bei Alan Kaprow vermittelt mit dem Wunsch mich auf die Spuren von Harry Partch zu begeben – was ich 1993 auch mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums tat. Alan Kaprows Konzeptkunst hat mich sehr geprägt.
Klangkunst ist eine Untergruppe der Konzeptkunst. Meine Arbeiten sind immer auch Untersuchungen über den Ort oder die Geschichte des Ortes aus dessen Erkenntnissen die Entscheidungen über eine künstlerische Intervention geschieht. Zudem kommt die formal- ästhetische Ebene, die bei den bildenden Künstlern ein fester Bestandteil für des Betrachters Assoziationskette in der Wahrnehmung darstellt. Die nachfolgenden Arbeiten blenden den Raum als assoziatives Element aus und konzentrieren das Narrativ in sich selbst. Das Ausstellungskonzept PERLEN VOR DIE HUNDE ist der Versuch der perfekten Verschmelzung von auditivem und visuellem Ereignissen und Form. Den einzelnen Arbeiten wohnen eigene Themen inne, sodass diese, auf und in sich gerichtet, eine eigene Geschichte erzählen, die sich durch audiovisuelle Ereignisse und Form darstellt und sich nur durch die Assoziationen des Betrachters erschließt.
Der CLB-Projektraum bietet eine lichte Umgebung um den einzelnen Arbeiten den nötigen Raum zu geben und vereint doch die audiovisuellen Ereignisse zu einem Ausstellungskonzept, dass ich postinstallativ nennen würde. Die ausgeprägte Ästhetik zollt Tribut an die klassische Kunstausstellungsästhetik der 70er/80er Jahre.
RGB
audiovisuelles Objekt – selbstspielendes Instrument Format: 72 cm x 150 cm
Material: Acrylglas, Aluminium, LEDs (150 Rot, 150 Grün, 150 Blau), 30 bimetal-Kontrollglühbirnen, 30 Lichtsensoren, 30 Klanggeneratoren, 30 Verstärker, 30 piezoelectrische Transducer.
Thema des Objektes ist das Zusammenwirken von auditiver und visueller Wahrnehmung. Technische Mechanismen generieren Lichtimpulse und Intervalle die sogleich in Klangereignisse umgesetzt werden. Sie steuern den Verlauf des Akustischen und sind so Generator für Komposition. Als Objekte sollen diese Arbeiten mehr als Versuchsanordnungen und mehr als Demonstration von Effekten und Ideen sein. Vielmehr soll die sinnliche Wahrnehmung im Vordergrund stehen und das Werk in seiner ganzen Komplexität ästhetisch er fahrbar sein.
Die schwarze Fläche erinnert an einen Flachbildschirm im Breitbildformat. Und tatsächlich kann man diese Arbeit als Abgesang auf das analoge Zeitalter verstehen. Die Bilder der alten Fernsehröhre bauten sich auf aus den Farben Rot, Grün und Blau, die überlagert weiß ergaben. In meinem Objekt habe ich die drei Farben auseinander dividiert und zu tanzenden Stäben aneinander gereiht. Das unregelmäßige Aufleuchten der Stäbe löst Töne aus, die den Farbfrequenzen von Rot, Grün und Blau entsprechen (incl. Obertöne). Das auseinander dividierte Visuelle bildet akustisch eine homogenen Klanglandschaft und beschreibt nicht mehr als: „you hear what you see“.
Talking Hat – Licht mit Hut
audiovisuelles Objekt – selbstspielendes Instrument
Format: 45 cm x 180 cm
Live generierte Polyrhythmen durch kontrollierte Fehlschaltungen von Leuchtstoffröhren.
Material: Acht Leuchtstoffröhren mit Starter-Fehlfunktion. 8 Mikrophone, Vorverstärker, Verstärker, Druckkammer-Lautsprecher, Sockel und Hut.
Audio Branding for Nothingness
audiovisuelles Objekt – selbstspielendes Instrument
Material: Plexiglas, Alukonstruktion, LED Lauflichter, elektronische Steuerungselemente, sound chips, Lautsprecher. Format: 80 cm x 250 cm
Fünf LED-Lichtspiele jeweils unterlegt mit einer 10 Sekunden Tonspur elektroakustischer Musik. Zufallsgeneratoren aktivieren Lichtspiel und Tonspur, sodass es zu akkustischen Überlagerungen kommt, während die Lichtspiele nebeneinander mal aktiv sind und mal nicht.
Sonic Knot
audiovisuelles Objekt – selbstspielendes Instrument
Material: Acrylclas, Polyester, Holz, elektronische Lichtsteuerung (Fake-TV), LEDs, Lichtsensoren, Tongeneratoren, Verstärker, piezoelektrische Transducer.
Format: 50 cm x 180 cm
Steuerelemente eines sog. „Fake-TV“ generieren Lichtimpulse und Intervalle die sogleich in Klangereignisse umgesetzt werden. Sie steuern den Verlauf des Akustischen und sind so Generator für Komposition und provoziert zugleich das Zusammenwirken auditiver und visueller Wahrnehmung.
Lights & Sounds
audiovisuelles Objekt – selbstspielendes Instrument
Material: Acrylglas, Aluminium, LEDs, elektronische Schaltung, Hubmagnete, Kinderklavier mit Klangstäben.
Format: 87 cm x 215 cm, Klavier: 49,5 cm x 51 cm
Bei einem Indienaufenthalt ließ ich mir auf dem Elektronikmarkt in Old Delhi, einem Stadtteil von New Delhi, einen Leuchtkasten bauen, so wie er dort oft als Werbung für Geschäfte zu sehen ist. Ich sagte nur den Text und überließ der Firma die Gestaltung wie Anordnung und Farben der LEDs, sowie den Rhythmus in dem diese aufleuchten. Der so gewonnene Leuchtrhythmus der Buchstaben kontrolliert nunmehr je eine Taste des Klaviers und kreiert so eine immer fortlaufende Komposition mit der dieses Objekt auf sich selbst hinweist.
Sonic Mushroom
Klangobjekt
Material: Styrophor, Kunststoffhörner, 3 mp3-player, Lautsprecher, Konstruktion eines selbstfahrenden Staubsaugers (ohne Staubsauger).
Format: 50 cm x 70 cm
Das Objekt gibt eine 6-Kanal-Komposition mit modifizierten Geräuschen von Insekten wieder. Das Objekt soll sich selbstständig und kontinuierlich durch den Raum bewegen.
Konzert 1 Pansonikum: Schwarz und Rose am 2.5.2020 in der Sophienkirche
Die barocke Ausschmückung der Sophienkirche folgt einer strengen zentralistischen Anordnung, die ganz auf den Altar ausgerichtet ist. So lassen auch die Sitzbänke nur den Blick nach vorne zu auf Altar, Taufbecken und Kanzel. Daher beschränke ich die Lichtprojektion auf das Gewölbe des Altarraums und der Kanzel.

Drei Stücke, drei Farben: Weiß – Schwarz – Rot
Zum Stück Pansonicon 1.1 (10 Min.) von Gunnar Karl Másson wird weißes Licht in das Altargewölbe ausgestrahlt (ohne Trockeneisnebel aus der Kanzel). Kleine Kratzer und Fasern wie Staubfussel durchlaufen das Bild in unregelmäßigen Abständen gelegentlich. Durch diese Reduzierung soll die Konzentration auf den Raumklang der um das Publikum herum platzierten Musiker geschärft und zugleich feine Akzente gesetzt werden in Anlehnung an die Mikronalität der Komposition sowie der Geräuschebenen (Flüstern) und kreiert eine eigene visuelle Rhythmik.
Zum Stück Black Angels – Images I (20 Min.) von George Crumb wird dunkles Licht in das Altargewölbe ausgestrahlt. Darin eingestanzt bewegte Bilder aus (Kriegs-) Reportagen von Nachrichtensendungen die, kaum sichtbar und schneller – wie im fast forward Modus, abgespielt werden. Zugleich soll in der Kanzel eine Trockeneismaschine platziert werden, die weißen Nebel aufsteigen lässt. Vom Balkon aus soll ein Beamer weitere Videosequenzen, in Assoziation zu „Kräfte des Mystisch-Jenseitigen“ in den Nebel projizieren.
Zum Stück Unending Rose (40 Min.) von Dongryul Lee sollen bewegte Bilder vom Orbit in das Altargewölbe projiziert werden. Vorzugsweise Videosequenzen wie langsame Fahrten in den Orbit (Hubble Space Teleskop). Zugleich kann das Rosen-/Rosenkranz Motiv in den Trockeneisnebel hinein projiziert werden.
Konzert 2 Im Turm am 16. Juni 2020 im Saal der Villa Elisabeth
– Hölderlin lesen I Musik: Hans Zender, Stimme: Salome Kammer (20 Min.)
– Signs, Games and Messages Musik: György Kurtág, Stimme: Salome Kammer (20 Min.)
– Fragmente – Stille, An Diotima, Musik: Luigi Nono (35 Min.)
Für dieses Konzert, das ganz Friedrich Hölderlin gewidmet ist, soll ein Aufbau für alle drei Stücke dienen. Dieser sieht vor die 6 Rundbögen an einer Stirnwand mit transparenter Folie auszukleiden. Mit sechs Beamern und Video-Chip Playern (teilweise miteinander synchronisiert) kann per Rückprojektion auf diese Flächen projiziert werden. Die Flächen sind meist schlicht hell erleuchtet und bilden ein Klima der Kälte in Referenz an die Lebenssituation des Friedrich Hölderlin. Das Licht der einzelnen Flächen bricht machmal zusammen, bzw. weist Störungen auf; in unregelmäßiger Abfolge mal die Eine, mal die Andere der sechs Flächen. In Referenz zu den gesprochenen Texten können Worte oder Textpassagen auf den einzelnen Flächen erscheinen. Sowohl bei Hölderlin lesen I und Signs, Games and Messages sowie Luigi Nonos Fragmente – Stille, An Diotima.
Die genaue Ausformung der projizierten Ereignisse soll anhand der Dramaturgie, der Texte und der Musik erarbeitet werden.
Tilman Küntzel
Berlin der 12. Oktober 2019