Alle Beiträge von Tilman Küntzel

SoundSeeing V

Größe: 215 x 87, Klavier:  49,5 x 51
Material: Acrylglas, Aluminium, LEDs, elektronische Schaltung, Hubmagnete, Kinderklavier mit Klangstäben.
Bei einem Indienaufenthalt ließ ich mir auf dem Elektronikmarkt in Old Delhi, einem Stadtteil von New Delhi, einen Leuchtkasten bauen, so wie er dort oft als Werbung für Geschäfte zu sehen ist. Ich sagte nur den Text und überließ der Firma die Gestaltung wie Anordnung und Farben der LEDs, sowie den Rhythmus in dem diese aufleuchten. Der so gewonnene Leuchtrhythmus der Buchstaben kontrolliert nunmehr je eine Taste des Klaviers und kreiert so eine immer fortlaufende Komposition mit der dieses Objekt auf sich selbst hinweist.

Klangkunstreihe  – Klänge zum Angucken im Kunsthaus Kloster Gravenhorst
08.03. – 09.06.2014
DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst
Klosterstraße 10. 48477 Hörstel, Tel. 0 54 59 / 91 46 – 0
Dienstag bis Samstag 14.00 – 18.00 Uhr
An Sonn- und Feiertagen 11.00-18.00 Uhr

Ahlen | Hörstel | Bocholt

Klangkunstreihe im Münsterland „Soundseeing V – Klänge zum Angucken“
9. Februar – 25. Oktober 2014
Kuratiert von Stephan Froleyks
Stadtgalerie Ahlen
LÜSTER
RGB DANCING STICS
SONIC KNOT
23. Februar – 30. März 2014
Mit Claus von Bebber, Hans W. Koch, Tilman Küntzel, Erwin Stache.
DA, Kunsthaus  Kloster Gravenhorst, Hörstel
8. März 2014
LIGHTS & SOUNDS
VOGELBAUM
Mit Claus von Bebber, Hans W. Koch, Tilman Küntzel, Dino Steinhof, Deep Schrot, Christof Schläger, Jaap Blonk, Duo „Mooving Sounds“.
LWL Industriemuseum TextilWerk Bocholt
7. September – 5. Oktober 2014
8-KANAL KLANGINSTALLATION
für den Kardensaal der Spinnerei des Textilmuseum Bocholt mit 94 Körperschallaufnahmen von in dem Saal befindlichen Strick- und Kordelmaschinen, sowie eines Metallgitterwebstuhls, kombiniert mit Körperschallaufnahmen mechanischer Webstühle aus der Textilfabrik PPU-Wester in Lodz(Pl), mit Gesang von Paul Panhuysen (Eindhoven, Nl.) und Geräuschen seiner Langsaiten-Installation, sowie einer Nachtigal, aufgenommen und zur Verfügung gestellt von Bill Fontana (Kalifornien USA).
Mit Claus von Bebber, Hans W. Koch, Tilman Küntzel, Michael Nicke, Tefiton+Jaap Blonk.

Interaktiver Brunnen mit Jumping-Jet Wasserspiel

Interaktive Brunnenanlage mit zwei Figuren aus Viktor von Bülow’s Werk:
Loriot’s großer Ratgeber
Bello, der sprechende Hund
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Als zentrale Figur in der Mitte des Brunnens ruht die Figur „Loriot‘s großen Ratgeber“. Bello, der sprechende Hund wird zitiert, indem der Springbrunnen, ein Ballett aus “Jumping-Jet“ Wasserstrahlen auf Außengeräusche reagiert.
Die registrierten Geräuschereignisse wie Rufen, Klatschen, Bellen, das Krähen einer Krähe, oder das Horn eines vorbeifahrenden Schiffes, werden nach Parameter wie Länge, Lautstärke und Dynamik registriert, analysiert und zu einer individuellen Choreographie von „fliegenden Wasserwürsten“ umgerechnet, die unmittelbar im Anschluss an das Klangereignis abläuft. Ein Satz wie: „Otto holt große rote Rosen“ würde also im entsprechenden Sprachrhythmus wie „Hoho ho hoho hoho hoho“ interpretiert und nach einem Zufallsalgorithmus für sechs bis acht oder zwölf Ventile choreographiert wiedergegeben werden. Ist es ruhig, ruht auch der Brunnen. Die Passanten müssen selber herausfinden, dass der Brunnen auf sie reagiert.
Die Intention ist hierbei, den elegant- und intelligent-hintergründigen Humor des Viktor von Bülow in einer neuen Form darzubieten. Es sollte etwas sein, das dem Herrn von Bülow, der stets offen für neue Formate war, gefallen würde.
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Das Brunnenbecken weist eine schlichte Form auf. Es ist flach und hat eine schwarze Wasseroberfläche. Es ist aus Beton gegossen mit mit schwarzer, bzw. graphitfarbenen Ummantelung aus Mosaiksteinen, Granit oder Schiefer, eingefasst. Mittig ruht die Skulptur „großer Ratgeber“ in Lebensgröße. Sie kann aus Kunststoff oder Epoxydharz hergestellt werden. Farbe: Schwarz und Weiß, die Rosenblüte Rot. Es soll eine glatte und glänzende Kunststoff-Oberfläche sein.
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Das Jumping-Jet Springbrunnen-System zeichnet sich dadurch aus, dass durch starken Druck und blitzschnelles Öffnen und Schließen der Ventile sog. „Wasserwürste“ zielgerichtet abgeschossen werden können. Der Beugungswinkel (Druck), der Abschußintervall, sowie die Länge des Wasserstrahls, bzw. Unterbrechungen ist komputergesteuert und individuell programmierbar. Die Ventile sind in der Brunnen-Innenwand eingelassen. Die Geräusche werden von mindestens einem Mikrophon erfasst und durch die Software „Max MSP“ umgerechnet. Hierbei werden bestimmte Parameter wie Lautstärke, Frequenzanteile und Ereignislänge analysiert und festgelegten Befehlen zugeordnet. Diese Befehle steuern über ein Midi-zu-Volt Interface die sechs bis acht oder zwölf Abschuss-Einheiten.

Jürgen Landmann

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Luna blindfolded
Die Schiffe der HANSE konnten in den von ihnen befahrenen Meeren keine Spuren hinterlassen und wir kennen nicht mehr als die von ihnen genommenen Routen, die bis heute wichtige Verbindungswege zwischen Städten und Ländern geblieben sind.
Die Schiffe der HANSE fahren nicht mehr, aber die durch die HANSE entstandenen Verbindungswege und Verbindungen sind bestehen geblieben; sie leben in einer ihr eigenen Sphäre fort und moderne Schiffe haben das Erbe der alten HANSE-Segler angetreten. Sie zeichnen eine Spur nach, die für uns unsichtbar im Vergangenen beginnt und ihr Ziel in einer Zukunft finden wird, die von unserem Handeln, Wollen und Wünschen geprägt werden will.

LUNA, die Mondgöttin Diana, verkörpert die HANSESTADT LÜNEBURG. Es wurde daran geglaubt, dass Cäsar auf dem Kalkberg Lüneburgs ein Heiligtum zu ihren Ehren errichten ließ; aus LUNABURGUM sei daraufhin der Name Lüneburg entstanden.
LUNA und die Menschen Lüneburgs ihrer Zeit legten den Grundstein für eine Stadtentwicklung, die bis in die heutige Zeit und auch weiter in die Zukunft hineinreichen wird. Der Mensch bleibt blind für Vergangenes wie für Zukünftiges, denn er kann nur das unmittelbar Gegenwärtige sehen.
Er weiß um die Spuren, die in die Vergangenheit und von ihr zurück in die Zukunft weisen, doch sehen kann er sie nicht.
LUNAS Augen bleiben verbunden, obwohl sie um die Fähigkeit ihres Sehens weiß. Und sie weiß von den Schiffen auf den Meeren, die, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen, ihren Weg nehmen, den wir als denjenigen erkennen, der uns von der Vergangenheit ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT führt.
Jürgen Landmann, Kulturreferent der Stadt Lüneburg

Berlin

Gruppenausstellung „Die Perfektheit und das Fehler“
UP TO THE STARS
12. Oktober 2013 – 1. Februar 2014
G.A.S-station. Tankstelle für Kunst und Impuls.
Mit Joachim Bauer, Manuela Beyer-Bunk, Batya Horn, Matthias Fitz, Ulrich und Johannes Frey, Kathrin Gerlof + Julia Nowak, Michaela Göltl, Ulrich Gorsboth, Viktor Gröger, Maria Hanl, Katja Keya Richter, Helge-Björn Meyer, Peter Helmke, Ursula Achternkamp + Verena Hahn + Katrin Schlitt, Oliver Jacobi, Harald Köhneke, Markus Krug, Marek Kucharski, Tilman Küntzel, Albert Markert, Klara Meinhardt, Edward Naujok, Wolfgang Neipl, Oliver Orthuber, Stefan bc Ottermanns, Armando Pelliccioni, Herbert Pietschmann, Stephan Puchegger, Max Renneisen, Sandra Riche, Stefan Riebel, Alex Lebus + Robert Brandes, Yvette Sánchez, Steven Scott, James A. Shapiro, Herbert Christian Stöger, Team K.U.SCH., Burchard Vossmann, Gisela Weimann.

Hamburg

VAMH Präsentation 36
Verband für aktuelle Musik Hamburg (Michael Maierhoff, Gregory Büttner, Heiner Metzger)
FÜR AUGE UND OHR
Vortrag mit Videopresentationen und dem Objekt „Vogelbaum“.
10. Oktober 2013
Im Rahmen der Forum-Ausstellung Position. in der „Fabrik der Künste“ Hamburg-Altona
9. – 13. Oktober 2013
Katalog

5. Diagonale Festival für neue Musik

Die 5. DIAGONALE 2013 ist dem Thema SCHWÄRME gewidmet.
Dieses Thema ist für die Forschung hochaktuell und rückt mit Qualitäten wie: kollektive Intelligenz, Reaktionsschnelligkeit und –stimmigkeit, Stabilität und Schutz, kreative Beweglichkeit und vitale Lebensfreude, zum anderen aber auch Manipulier- und Verführbarkeit zunehmend in das Interesse zahlreicher Wissenschaften.
Die CNM möchte diesen spannenden Komplex nun auch im Bereich aktueller  Musik und Kunst thematisieren. Musiker und Künstler unterschiedlichster Genres sowie Menschen aus angrenzenden Tätigkeitsbereichen und Forscher diverser Disziplinen sind aufgefordert, innovative und pointierte Projekte, Inszenierungen, Kompositionen, Experimente, Installationen, Vorträge u.a. zu diesem Thema für das Festival zu entwickeln.
Schwarmartige Ansammlungen und Selbstorganisations-Bewegungen gibt es offensichtlich überall, angefangen von chemischen und physikalischen Wolkenbildungen verschiedenster Materien über die fantastischen Schwärme in Flora und Fauna, die sozialen und kulturellen Prozesse der Menschen bis hin zu den unendlichen Welten des Mikro- und Makrokosmos. Es scheint eine ausgeprägte Tendenz zu existieren, mit seinesgleichen größere Einheiten zu bilden und Ähnliches zu tun. Gemeinsamkeit bietet u.a. Geborgenheit, Vielfalt, Lust und Spiel. Natürlich auch unter den Menschen, siehe Schulhof, Disco, Fußballplatz, Stadtfeste, Demonstrationen, wie auch in der Musik beim Chorsingen, Orchesterspiel oder bei spontanen Sessions. Und in ganz anderen Dimensionen schwärmt es inzwischen weltweit in den digitalen Netzwerken.
Hinter urdemokratischen Prinzipien wie dem permanenten Wechsel von Führen und Folgen, der Aufhebung starrer Hierarchien und der ständig offenen  Entscheidung zu Opposition und individueller Freiheit lauert allerdings auch die  Gefahr von Verführung und Manipulation.

5. Oktober 2013, Rudolf Oetker-Halle Bielefeld
6. Oktober 2013,Theater Gütersloh
Eine Veranstaltung der Cooperativa Neue Musik Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Bielefeld und dem Theater Gütersloh. Gefördert mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen.

Für Auge und Ohr

Ich möchte mich als erstes bedanken beim Verband (VAMH) für die Einladung, das ich hier in meiner alten Heimat was zeigen kann. Ich habe tatsächlich an der HfBK bei Claus Böhmler studiert, beziehungsweise viel auch selbstständig unternommen, und weil man zum Diplom einen Fürsprecher brauchte, hab ich mich in seine Klasse gesetzt.
Das war schon wichtig, dass von der HfBK-Seite eine Stimmung war, die sehr stark auch von Carl Vogel (14. November 1923; † 5. Februar 2006 in Hamburg; 1976 – 1989 Präsident der HFBK) ausging, die Verbindung mit der Musik voranzutreiben. Zum Beispiel reiste Karl Vogel zu Mauricio Kagel (24. Dezember 1931 in Buenos Aires, † 18. September 2008 in Köln; war ein  argentinischdeutscher Komponist, Dirigent, Librettist und Regisseur. Sein  Gesamtwerk umfasst neben Instrumentalmusik und Werken für das Musiktheater auch die Komposition und Produktion von Hörspielen und Filmen; er leistete einen wichtigen Beitrag zur Neuen Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) nach Köln. Mauricio dachte wohl, pass auf,  da will schon wieder jemand was von mir… und Vogel sagte, nein ich bin aber von einer  Kunsthochschule, und versuchte, ihn persönlich händeringend zu überzeugen, doch mal  drei Tage ein Seminar an der Kunsthochschule zu halten. Er kam, und für mich war das ein absolutes Schlüsselerlebnis. Mauricio Kagel wollte, dass die Studenten ihre Arbeiten zeigen. Es war ein großer Saal mit über 50 Studenten. Er hat sich bei den verrücktesten Sachen so irrsinnig viel Zeit genommen, intensiv und konzentriert zugehört und auch wirklich klasse Sachen gesagt. Das war für mich eine wertvolle Begegnung. Ganz toll, dass ich genau in der Zeit da war, und seitdem mach ich das. Irgendwie ist das auch eine brotlose Kunst, aber darüber braucht man ja nicht zu jammern. Hauptsache es ist spannend, und ich finde es immer wieder spannend. Ich wollte heute eher einiges zum Hören und zum Sehen präsentieren, als Vorträge zu halten. Deswegen würd’ ich sagen, machen wir den ersten Film an. Der ist von 1985, eine meiner ersten Videoarbeiten.

Composition for Water
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Das war noch während des Studiums, Wasserballspiel mit einer Unterwasserkamera, Sony Handycam, kleinste Kamera mit Wassergehäuse, und das war alles noch ziemlich neu. Da gab’s so Videotheken, wo man sich für ein Wochenende alles ausleihen konnte. Die Gefahr war, das die Kamera fast kaputt gegangen wäre, aber das hätte keiner bemerkt. Das war somit praktisch, man konnte immer wieder ausleihen und ausprobieren.
Michael Maierhof:
Kannst du was zum Ton sagen, wie Du den aufgenommen hast?
Tilman Küntzel:
Das ist der Original Kameraton. Das tolle war eben, dieses Gehäuse war so präpariert, dass der Ton tatsächlich nur unter Wasser in den Audiokanal kam. Das war ein reines Unterwassermikrofon, und wenn die Kamera in der Luft war, hörte man nichts oder ganz dünn, wie durch Wasser hindurch. Einmal hörte man Stimmen, da war die Kamera unter Wasser, das fand ich klasse. Stille war, wenn die Kamera in der Luft schwebte. Da habe ich  nichts manipuliert, das war einfach so, nur etwas Lufttöne aufgrund des durch-die-Luft-Fliegens.
Publikum:
Du hast also das Video geschnitten, und dadurch war der Ton mit geschnitten.
Tilman Küntzel:
Genau. Mit diesen riesen U-Matic Bändern einfach nach musikalischen Gesichtspunkten geschnitten. Ich habe mit Noten experimentiert. Ich komme zwar aus einer musikalischen Familie, wo auch komponiert wurde, aber eigentlich bin ich mehr so ein Collage-Freak. Es liegt mir am meisten, ohne Konzept einfach an die Mischpult-Regler zu gehen, vorne anzufangen und hinten wieder aufzuhören. Da ist immer so ein Bild bei mir im Kopf. Alles ist eine Art Gestaltungsakt wie beim Modellieren, wie eine Skulptur geschaffen wird. Wie Giacometti, der einen Draht hat, und dann mit Ton eine Form herausarbeitet, in dem er kleine Punkte dazusetzt. Oder der Bildhauer, der einen Block hat und immer weghaut, bis die Form letztendlich da ist. Und so arbeite ich eigentlich auch, dass ich anfange und reduziere, reduziere, oder verdichte, verdichte, umschichte, bis es dann endlich fertig ist.
Publikum:
Was ich erstaunlich finde, ist die Schärfe des Bildes, wenn man genau hinguckt. Das muss ja damals eine sehr gute Kamera gewesen sein.
Tilman Küntzel:
ja, die waren gut gewartet, wenn man sie ausgeliehen hat. Bevor ich sie nahm… In der Schule hatten wir damals so ein riesiges Monstrum an Videomischgerät, wie so ein Video-Synthesizer, wo man das Bild manipulieren konnte, und viele Aufnahmen sind auch dadurch schärfer geworden, weil ich da mit so einem Manipulator arbeiten konnte.
Publikum:
Wie war die Reaktion damals?
Tilman Küntzel:
Verhalten. Ich weiß nur von Minus Delta T (Performance- und Musikgruppe, die 1978 in Zürich gegründet wurde und bis Mitte der 1980er Jahre mit experimenteller Aktionskunst Aufsehen erregte), damals hatte ich mich von einer Aktion inspirieren lassen. Die hatten mit so einer Kamera Ballwerfen gespielt, aber nicht unter Wasser. Die fanden das super, die haben es gleich für ihr Archiv genommen. Und mit Mike Henz und Karel Dudesek (Mike Henz und Karel Dudesek waren Gründungsmitglieder von Minus Delta T) hatte ich damals auch einiges zu tun. Vielleicht ist das auch in dem Kontext entstanden und auch da geblieben. Das heißt – letztens lief das Video in den Staaten auf einem Festival. Es ist so eine zeitlose Arbeit und das ist ganz schön. Für mich in meinem ganzen Werkzyklus spielte immer die Fehlschaltung eine Rolle. Und auch sowieso Fundstücke. Ich bin nicht so ein Elektronik-Freak, der irgendetwas programmiert um Neues zu erschaffen, sondern ich finde immer irgendwelche Effekte, die ich dann versuche, zu ästhetisieren. Eine Arbeit, die ich schon über 10 Jahre in immer anderen Varianten aufgreife, weil sie so super simpel ist, die werde ich jetzt mal präsentieren. Das war in einer Städtischen Galerie in Bremen.

Neophone Rauminszenierung
(Städtische Galerie im Buntentor, Bremen 2001)
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Ich möchte kurz erklären. Das war tatsächlich die Halle in Bremen, die mich dazu gebracht hat, nachdem ich da ankam. Wir kamen in diesen enormen Raum, der war fensterlos, so ein Eislagerraum wie in einer Brauerei. Wir kamen da rein, und dann hat einer das Licht angeschaltet. In dem Raum waren riesen Stränge von Leuchtstoffröhren. Es dauerte dann gefühlte 5 Minuten lang, bis alle Leuchtstoffröhren an waren, und ich dachte: wow! Ist ja schon fertig, die Arbeit! Darüber bin ich darauf gekommen. Eigentlich wollte ich diesen Ping-Ton besonders herausarbeiten, aber der kommt eben wann er kommt, und mal klar, mal nicht so klar… Der Trick ist, da ist gar nichts groß manipuliert. Die Neonröhren haben immer einen Starter, der die Röhre zum Leuchten bringt, und die gibt es in verschiedenen Ausführungen. Wenn man einen nimmt, der für kleine Neonröhren zuständig ist, dann schafft der das nicht, eine große Neonröhre zu starten. Er versucht es aber. Also ich hab da Starter mit einer geringeren Leistung eingesetzt, dadurch passiert dieser Startvorgang die ganze Zeit, ohne Unterbrechung und Wiederholung. Das ist auch, wonach ich immer suche:
nicht statische, sondern dynamische Prozesse, die sich von selber generieren. Und das ist hier bei der Leuchtstoffröhre ganz wunderbar zu beobachten. Jedes Mal, wenn man eine Leuchtstoffröhre anmacht, ist der Lichtrhythmus, der da entsteht, und auch der Klang, immer individuell ein anderer. Und dadurch, finde ich, ist so eine Arbeit auch lebendiger, als wenn etwas statisch funktioniert.
Publikum:
Hast du den Ton mit „pickups“ abgenommen?
Tilman Küntzel:
Nee, da habe ich den Starter in ein Glas gestopft und ein kleines Kapselmikrofönchen
oben drauf geklebt, und in dem Glas sind auch Verstärker und Mikrofonvorverstärker
untergebracht. Die Klanggestaltung ist auch super simpel, nämlich die Nähe zum  Lautsprecher erzeugt eine Rückkopplung. Wenn man einen Bruchteil von einem Millimeter hin und her schiebt, also wenn man zu dicht dran ist, dann gibt es einen fürchterlichen Rückkopplungston, und wenn man zu weit weg ist, dann ist der Ton total trocken, aber wenn man genau dazwischen ist, dann gibt es so einen Nachhall, dann gibt’s einen richtig melodischen Ton. Das ist die Feineinstellung: wo sonst tausend Regler sind, bin ich am Glas hin und her schieben, bis die Beinahe-Rückkopplung einen Nachhall und einen wirklich guten Klang erzeugt. Aber wichtig ist natürlich auch immer die Akustik des Raumes. In jedem Raum funktioniert das völlig unterschiedlich.
Das genau unterscheidet sehr oft Musiker von Klangkünstlern, die aus der Bildenden Kunst kommen. Vielleicht. Viele Leute haben ihr Stück fertig oder ihre Improvisation im Laptop und stellen Lautsprecher in den Raum und fahren das Ganze ab. Ich zum Beispiel guck mir erst den Raum an und überlege dann: wieviel Lautsprecher kann ich verwenden, wie viel Watt brauch ich überhaupt, um mit diesem Raum zu schwingen.
Da fängt für mich schon das Gestalten eines Stückes an, dass man mit dem
Raum arbeitet.
Publikum:
Bist du eigentlich Synästhetiker, oder mehr so ein akustik-visueller Experimentator?
Tilman Küntzel:
Synästhesie ist ja ein Phänomen im Gehirn, was nicht pathologisch ist sondern eine Bereicherung. Die Synästhetiker sagen, eigentlich hat jeder Mensch diese Fähigkeit, Klangbewegungen sich in Formen oder Farben im Inneren vorzustellen oder zu sehen, gleichzeitig zu erkennen – als Bewegung oder als Farbe und Form. Ich hab tatsächlich unter dem Einfluss von Cannabis eine synästhetische Erfahrung gehabt, ich sah „Tubular Bells“ von Mike Oldfield in Form von hunderten weißen kleinen Lichtpünktchen, die ein unheimlich schönes Ballett getanzt haben. Das war eine synästhetische Erfahrung, die ich nicht missen will. Deswegen habe ich vielleicht auch weitergemacht mit dieser Verknüpfung, mit dem Audiovisuellen. Ich bin kein Synästhetiker, leider. Aber ich versuche, nicht eine Verdoppelung oder eine Parallelität zu finden von Auditivem und Visuellem, sondern eine Entsprechung, die absolut ineinander greift. Wie bei dem Unterwasservideo: es gibt eine starke visuelle Bewegung, und dann schießt als fortlaufende Dynamik ein Klangimpuls mit ein, der wieder von der Bewegung aufgegriffen wird und weiter geformt wird. Es ist immer mein Bestreben, nicht zu verdoppeln, den Klang nicht als Untermalung des Visuellen einzusetzen, sondern als vollwertiges Medium, das auch so wahrgenommen werden soll. Und da bin ich immer gescheitert an dem Publikum, weil das entweder visuell
geprägt ist oder akustisch, musikalisch geprägt ist. Viele Musiker hören viel besser, als sie visuelle Bewegungen aufnehmen können, und Fotografen zum Beispiel, die stören dann die Klänge. Die sehen also viel mehr das Visuelle. Deswegen ist die perfekte Balance überhaupt nicht hinzukriegen, weil jeder Betrachter eine individuelle Betrachtung  mitbringt, die individuell trainiert und geprägt ist.
Publikum:
Wie viel Tage hast du gebraucht, um das aufzubauen? Wie viel Tage konntest du das
präsentieren, und wie war das Publikum?
Tilman Küntzel:
Ich habe da sehr groß von profitiert, weil ich das Video gemacht hab, und weil ich diesen Mechanismus dann lange immer wieder neu eingesetzt habe, aber der Aufwand, es gab ein kleines Budget, es war mehr wie ein Tag Arbeit, und das hat sich nicht gelohnt. Aber ich glaube, die Arbeit haben sehr viele gesehen, wegen des Videos. Das war eine  Entwicklungsarbeit. Aber das wurde mir finanziert, und ich hatte diesen Raum. Letztendlich war das eine wunderbare Arbeit, aber kaum Publikum. So ist das oft.

Polyrhythmen generiert durch 20 Bimetallschalter
(Singuhr Hörgalerie in der Parochialkirche, Raum 1: Turmsaal – Lüster, Berlin 2004)
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Das ist jetzt in Berlin, in der Singuhr Hörgalerie in der Parochialkirche. Ursprünglich war das auch eine ortsbezogene Arbeit für ein Schloss in Groß Leuthen für die  Veranstaltungsreihe Rohkunstbau. Da gab es ein altes Foto von dem Schloss als es noch von den Adligen bewohnt wurde, wo da tatsächlich mal so ein Lüster hing. Ich habe den dann so platziert, als wäre er runter gefallen, und hab die Fenster verbarrikadiert, zwischen den Brettern nur so Schlitze, alles richtig inszeniert, so ähnlich wie hier in Berlin zu sehen.

Hier waren die Mikrofone vor Rückkopplung durch diese Kapseln geschützt. Durch kleine Piezo-Lautsprecher wurde der ganze Raum 20kanalig super beschallt. Und dieses Geräusch kommt in dem Fall nicht durch den Resonanzraum der Röhre, wie bei den Leuchtstoffröhren, sondern ausschließlich aus dem Starter. In so einem Starter ist ein Glasröhrchen, wo ein Bimetallschalter ist. Durch die Spannung wird das Gas darin erhitzt. Bimetall heißt, es ist verschieden beschichtet, und dadurch bewegt es sich und schließt Kontakt oder unterbricht Kontakt. Durch dieses Aneinanderklacken der beiden Drähte, wenn der Kontakt hergestellt wird, entsteht dieses Klackgeräusch. Jeder Starter klingt  anders. Ich hab noch Restposten aus einer DDRProduktion bekommen, und die klangen wesentlich besser als die mit starkem Draht gearbeiteten Osram-Starter. Weil das Metall erheblich dünner war vermute ich, auf jeden Fall klangen die besser, und jeder Starter entwickelt seinen eigenen Rhythmus und seinen eigenen Ton.
Publikum:
Hattest du pro Starter ein Mikro?
Tilman Küntzel:
pro Starter ein Mikro, ja, 20 verschiedene Mikros. Und die Schaltung ist so eine ganz einfache Schaltung, die jeder Elektronik-Schüler in den ersten Semestern lernt. Es sind zwei Glühbirnen, die miteinander und mit diesem Starter verbunden sind, in einer bestimmten Weise. Dadurch flackert von der einen zur anderen ständig das Licht hin und her und der Starter bewirkt das.
Publikum:
Wie lange macht der das mit? Die sind doch jetzt die ganze Zeit an und aus gegangen…
Tilman Küntzel:
Ja, die verändern sich. Das Sterben ist in dem Fall ein ganz toller Prozess, auch bei den Leuchtstoffröhren. Die Röhre leidet wahnsinnig. Kennt man ja; eine Leuchtstoffröhre im Keller, die schon seit 10 Jahren immer leuchtet, geht irgendwann mal kaputt. Und dabei ist es so, dass bei jedem Schalten das so ist, als würde man das Licht an und wieder aus schalten. Entsprechend schneller sterben die auch, und das verändert sich aber sehr langsam, der Rhythmus. Im ersten Bild von der Bremer Installation sah man, dass die meistens aus waren, und nur ab und zu noch angingen, sich kurz vorm Tod befinden. Die auf dem Boden lagen zeigten noch wesentlich mehr Aktivität. Das sind so verschiedene Stadien.
Publikum:
Aber wenn das jeden Tag läuft in so einer Ausstellung, ein paar Wochen, mußt du
dann nicht öfter auswechseln?
Tilman Küntzel:
irgendwann tut sich einfach nichts mehr, und dann kann man den auswechseln, oder den anders platzieren, wo bzw. wie man das so haben will. Aber ich lasse es meistens so wie es kommt.
Noch eine andere Arbeit, die sehr ruhig ist, ich mag auch ganz gerne so ruhige Arbeiten, wo man so schön zuhören kann. Das sind Klänge, ich glaube sogar auch aus
dieser Bremer Installation, nur 20-oder 30-fach verlangsamt.

Videoarbeit: Sonic Eye (2010)
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Das war einfach die Entdeckung, dass es in einem Videoschnittprogramm die Funktion „Earthquake“ gibt. Das ist eine wunderbare Funktion, wenn man King-Kong machen will, dann hat man so eine Situation, einen Raum, oder ein Kaffeeglas, und dann fängt das Glas  an zu zittern. Man kann einstellen, in welche Richtung das Bild zuckt. Das hatte ich da  gerade entdeckt.
Publikum:
Und hast du die Musik dann von Hand angepaßt?
Tilman Küntzel:
Genau, man sieht ja an der Amplitude ganz genau, wann so ein Akzent kommt. Dann habe ich immer auf den Piek das Ruckeln gesetzt. Das ist so perplex, weil ein Auge natürlich nicht auf Klangfrequenzen reagiert. Aber ich finde, je länger man da hineinguckt, ein Auge ist ja immer so ein magisches Element, dann fängt da was an sich zu bewegen, innen drin. Dann bewegt sich auch bei mir was, wie in einem Tunnel. Geht Euch das auch so? So lange in ein Auge zu gucken, finde ich beängstigend.
Publikum:
Aber noch spannender wäre doch eigentlich, wenn mehr Licht auf das Auge gekommen wäre, so dass sich die Pupille zusammenzieht. Wenn zusätzlich die Pupille größer und  kleiner wird, weil mal Dunkel und mal Helligkeit kommt.
Publikum:
Und der Ton, wo kam der her?
Tilman Küntzel:
Das war eine Collage aus verlangsamten Leuchtstoffröhren-Störgeräuschen. Ich glaube  sogar aus Bremen, weil dieser Nachhall deutlich zu hören ist. Das war bestimmt die Halle in Bremen, kombiniert mit Zikaden. Dieses Klopfen im Hintergrund, das ist eine Zikadenart. Von einer Insekten-CD mit mehreren Spezies von Zikaden.
Publikum:
Gibt es davon Varianten?
Tilman Küntzel:
von den Zikaden ja, das sind faszinierende Klangerzeuger.
Publikum:
Du könntest also vier Leinwände parallel mit Augen bespielen?
Tilman Küntzel:
Ach so, nee, von der Arbeit nicht. Es gibt nur noch verschiedene Klangstücke mit Zikadengeräuschen. Wo wir über Collagieren sprachen, da dachte ich jetzt auch eine Arbeit zu zeigen, die gerade entstanden ist und letztes Jahr bis zum Oktober in Berlin gelaufen ist. Die wurde letztes Jahr bestellt vom Postmuseum, also vom Museum für Kommunikation in Frankfurt, die drei Stellen haben: in Berlin, Nürnberg und Frankfurt. Für eine Ausstellung, die Tempo Tempo hieß, haben sie mir alle ihre alten Postfilme aus den 50er bis 70er Jahren zur Verfügung gestellt und ich sollte daraus eine Collage machen. Eine Dreikanal-Collage, also drei Beamer, synchronisiert nebeneinander, und sechs Tonspuren.
Publikum:
Also eine Auftragsarbeit?
Tilman Küntzel:
Ja, ja, eine Auftragsarbeit. Das hat Spaß gemacht. Und das ist eine Collagenarbeit, wo teilweise 50, 60 Filme in einem Film zusammenkommen, in kleinen Thumbnails, vorwärts, rückwärts, immer wieder geloopt. Das erzählt sogar eine kleine Geschichte, nämlich den Weg eines Briefs. Ich zeige jetzt diese drei Filme zusammen, als ein Bild, das muss man sich also viel größer vorstellen.

Tempo Tempo
Museum für Kommunikation Frankfurt/a.M. + Berlin, 2012
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… das ist der Ton vom Anfang, weil das als Loop läuft. Die Töne sind fast alle von den Original-Filmen. Am Ende wird deutlich, was ich gerne verwende, fast forward von CD, so elektro-akustische Musik, neue Musik. Zum Beispiel Nono(Luigi Nono, * 29. Januar 1924 in Venedig; † 8. Mai 1990 ebenda, italienischer Komponist), fast forward, das mehrfach übereinander gelegt und geschnitten, das war eigentlich der einzige Zusatz im Ton.
Publikum:
Wie kamst du darauf, Nono reinzupacken?
Tilman Küntzel:
Nicht nur. Alles mögliche was ich zu Hause so hatte: Ligeti (György Sándor Ligeti, * 28. Mai 1923 in Târnăveni, Rumänien; † 12. Juni 2006 in Wien, österreichischer Komponist rumänisch-ungarisch-jüdischer Herkunft. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er durch die Verwendung seiner Musik als Filmmusik in 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick) zum Beispiel, die Chöre, die man auch bei Odyssee 2001 hört, wurden verwendet, nicht bei dem, aber bei einer anderen Arbeit, die ich nachher noch kurz anreißen wollte. Da ist der Ton sehr viel aus solchen Sachen, quer durch meine gesamte CD- und Plattensammlung
und Neuer Musik-Sammlung, fast forward und übereinander gelegt, eigentlich nicht
besonders komponiert, und immer hin und her geschoben. Und da fiel mir auf, dass
diese Chöre von Ligeti ganz toll mysteriös klangen in fast forward.
Publikum:
Analog oder Digital? Bei Digital ist das doch so, dass er so einzelne Bits nimmt und die in der Tonhöhe gleich bleiben, und bei analog nimmt er alles und es wird nur höher und schneller.
Tilman Küntzel:
Aber CD‘s sind doch immer digital..
Publikum:
Ach, von CD‘s?
Tilman Küntzel:
Ja, ich habe einen manipulierten CD-Player, da kann man auch die Pausen-Funktion, das Stehen und Repetieren auf einem Moment, hören. Und ich weiß nicht, ob man normal das „fast forward“ überhaupt hören kann. Eine andere Arbeit, die mit Störeffekt umgeht, also auch Fundstück und Störung, wo aber auch fast forward eingebaut ist, hab ich jetzt vor, zu zeigen.

Up to the Stars – terrestic invasion
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Hier habe ich tatsächlich überhaupt nichts gestaltet. Manche denken, ich hätte da ein  kompliziertes Computerprogramm, und jeden einzelnen Pixel designed und hin und her  gerückt. Das Einzige, was ich gemacht habe, ist, bei der Fernsehübertragung im digitalen  Fernsehprogramm auf dem Teppich zu knien und am Empfänger das Antennenkabel, da  war kein Stecker dran, immer hin und her zu bewegen, mal fast rein und dann wieder weg.  Dadurch ist mal das Bild ganz weg gewesen und es kam der Hinweis Kein Signal, dann schnell wieder rein bis das Bild wieder da ist. So hab ich diese ganze Reportage über da  gehockt und dann später einfach die Bilder heraus geschnitten, die gezeigt haben, das kein Signal kommt. Und dann das Ganze im Verlauf komplett so gelassen, nur raus geschnitten, was nicht passte. Das ist diese Skulpturarbeit, dass man Dinge so reduziert und so hin und her rückt, bis es passt. Den Ton erst mal auch irgendwie draufgeklatscht. Dann, wenn es so einen Akzent im Bild gab, zugesehen, dass sich dann Tonspuren ändern, dass andere da sind. Dadurch hat man manchmal das Gefühl, das sei synchronisierter Ton mit dem Bild. Dabei hab ich rein willkürlich draufgeknallt und nur an ein paar Punkten den Eindruck erweckt, das es mit dem Bild zusammen irgend eine Bewegung gibt. Dass wenn eine neue Szene anfängt, es mal ruhig wurde, das reicht finde ich um zu simulieren, das sei synchron. So, wie auch die Lippensynchronisation im Film funktioniert. Immer alle paar Minuten braucht nur ein Mal was richtig offensichtlich zu passen, und dann schiebt sich die Wahrnehmung den Rest so zusammen. Bis dann wieder, um die Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten, ein Punkt kommt, wo es wieder offensichtlich synchron ist. Und das fand ich immer eine interessante Beobachtung bei dieser Arbeit. Da dachte ich, ich brauche jetzt Monate, um einen adäquaten Ton hinzukriegen, aber das war an einem Abend fertig. Das ist erstaunlich, manchmal muss man einfach Material hinwerfen und was wieder wegnehmen und sehn was sich ergibt. Das sieht dann aus wie geplant und designed. Zum Beispiel am Ende dieses Gesicht von dem Jungen, das taucht ja nach Minuten immer noch mal auf. Und das ist sehr unglaublich… von der Form her. Immer wieder kommt dieses Motiv rein, obwohl der Film schon 5 Minuten weiter gelaufen ist, immer wieder kommt so ein Zitat von einem Thema rein, und das ist aber – ich weiß nicht wie, woher das kommt – der Film ging einfach weiter. Irgendwie müssen diese Monitore so sein, das die sich Bilder einbrennen, merken. Das ist mit der Digitalübertragung ja tatsächlich der Fall, das der Monitor nur Daten bekommt von den Bildausschnitten, wo sich tatsächlich was verändert. Also wenn man ein Bild hat, Standkamera, und in der Mitte ist jemand, der sich bewegt, der spricht, dann werden nur von den Pixeln, die sich verändern, die Daten übertragen. Der Rest ist im Monitor gespeichert und wird nicht übertragen, deswegen funktioniert diese Datenmasse an HD-Qualität, weil diese Plasma-Monitore oder diese Flatscreens so gebaut sind, dass tatsächlich nur Pixel gesendet werden, die sich ändern. Leider ist eine Stelle in dieser Trailerfassung nicht zu sehen gewesen, die ich faszinierend finde. Da ist ein Tisch wo ein Laptop stand, und dann hat einer da etwas gezeigt, und nur der Monitor von dem Laptop war verpixelt, der Rest war authentisch. Oder eine andere Szene, die leider auch nicht dabei war: ein Junge springt auf einem Trampolin, auch Standbild, alles ist bewegungslos, nur der Junge bewegt sich und nur der Junge war verpixelt. Spannende Technik, wenn man die Fehler produziert, was da so rauskommt. Gute Fehler sind schwer zu finden.

Ich hätte noch eine Auskling-Musik. Das ist ein Stück von Bach, und das ist so klar in Einheiten komponiert, hat so Abschnitte, wie Kadenzen, die sich eröffnen und wieder schließen. Das ist wie Atmen, und dann kommt die nächste Kadenz, wo so ein paar Varianten sind. Das habe ich auseinander geschnitten, verschoben, weil es innerhalb dieser Kadenzen wiederum Abschnitte gibt. Ich habe kopiert und verschoben, bis der nächste Abschnitt beginnt.

Air – time to breathe
8-Kanal Komposition für einen öffentlichen Durchgang im Museums-Quartier Wien
Konzipiert für Dauerbetrieb (10 – 20 Uhr), Länge: 10.27 min., 2008
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Die Kutschen dazwischen, das sind die Wiener Fiaker. Das ganze ist entstanden während eines „Artist in Residence“ Aufenthaltes in Wien, im Museumsquartier. Dort gibt es das Projekt Tonspur (www.tonspur.at). Ein Programm, wo Musiker gebeten werden, ein Stück für einen Durchgang zu komponieren während der Zeit, 8kanalig. AIR heißt „Artist in Residence“, und AIR heißt dieses Stück, und in diesem Durchgang ist es sehr zugig. Deshalb habe ich an diese Verwirbelung gedacht, dass sich die Noten in diesem Gang wie Laub verwirbeln und dann wieder zur Ruhe kommen, und dann kommt die nächste Kutsche vorbei, und das Laub verwirbelt sich wieder und kommt zur Ruhe. Das ist immer von einem Lautsprecherpaar zum nächsten gewandert. Diese Kutsche ist auch immer hin und zurück gefahren, imaginär.
Publikum:
Hast du bewusst so eine schlimme Aufnahme gewählt?
Tilman Küntzel:
Ja, das war so eine Budni-3-Euro-CD, ganz schlimm, aber dann doch noch gewürdigt und was draus gemacht. Einer guten Interpretation möchte man so eine Entfremdung auch nicht immer zumuten.
Publikum:
Ich finde, du hast da aus dem Wenigen was unglaublich Gutes gemacht, und mir fiel dabei etwas Absurdes ein. Bei Raumschiff Enterprise gibt es ja diesen Androiden Data, und da gibt es eine Szene, wo ein anderer in sein Quartier kommt. Man hört einen furchtbaren Krach, und dann fragt der, was ist das? Und Data antwortet. das ist die 3. Sinfonie von Brahms, das 4. Klavierkonzert von Beethoven, die 4. Sinfonie von Mozart und noch irgend ein Stück…
Tilman Küntzel:
Alles gleichzeitig…
Publikum:
Ja, weil er als Android das alles gleichzeitig wahrnehmen kann. Was ich damit sagen wollte, so kompliziert war die Sache ja nicht, aber wenn man manches nicht gleich versteht, heißt das ja nicht, dass es deshalb schlecht sein muß. Sondern vielleicht kann man manche Sachen auch nicht… also ich finde, du hast es gerade noch auf einer Ebene gehalten, wo man durchaus diese Ebenen noch verstehen konnte. Aber Kunst ist ja auch ein bisschen eine Wahrnehmungsschule, auch Übung, vielleicht mal mehr wahrzunehmen, als nur von der einfachen Budni-CD.

Tilman Küntzel:
Das Klangobjekt Vogelbaum von 2011 habe ich heute mal mitgebracht. Der imitiert
Piepsen und Singen von Vögeln.
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Wahrscheinlich weil ich mit einem Kanarienvogel aufgewachsen bin, habe ich eine starke Affinität zu Singvögeln. In unserem Garten waren immer Amseln, und immer beim Schlafen gehen habe ich den phantastischen Phrasen des Amselgesangs zugehört, was sich endlos variiert und sehr charakteristisch ist für jede Amsel, die ihr eigenes Klangrepertoire hat.
Ich hab ganz vergessen, ich habe hier noch Kataloge, die sind älteren Datums, die kann
ich auch verschenken… Einer ist über Stare in Berlin, da habe ich mal ein großes Projekt gemacht zur Stimmen-Imitation von wildlebenden Singvögeln, in diesem Fall von Staren. Jeder Singvogel imitiert ja auch oder nimmt Geräusche aus der Umwelt auf, und verwahrt die im eigenen Gesang. Die Stare sind da Meister drin, die können die ganzen  Zivilisationsgeräusche perfekt imitieren, sei es Klingeltöne oder rückwärts fahrende Lastwagen, wenn sie gerade irgendwo in einem Fuhrbetrieb brüten.
Publikum:
Du meinst das jetzt aber ernst?
Tilman Küntzel:
Das ist so! Ja, das ist ernst! Das hat denselben biologischen Zweck wie die bunten Federn eines Pfaus, nur das Amseln und Stare nicht so ein schickes Farbspiel vorzuweisen haben,  und deswegen haben die das auf die Stimmfähigkeit verlegt. Je opulenter der Gesang ist, desto mehr sind die Frauen attrahiert davon. Die haben auch die mentale Fähigkeit, sich Melodien zu merken und in kleinen Paketen in ihren eigenen Gesang mit einzubauen, dabei zu variieren und immer wieder zu dem Original zurückzukommen und in verschiedenen Konstellationen bis zu 50 Zitate in einer Strophe zu rezitieren. Und wenn die das einmal gelernt haben, bleibt das im Kopf bis zum Lebensende und wird sogar an die Kinder weitergegeben. Diese Ansammlung von Schwärmen, die man jetzt im Herbst beobachten kann, dient auch der Sozialisation, also dazu, das die Kommunikation innerhalb des Schwarms funktioniert. Die haben eigene Dialekte, je nachdem woher sie kommen und je nachdem wie die Klang-Umwelt da aussieht, jedes einzelne Stimmrepertoire. Und die Zusammenkünfte dienen auch dazu, dass die frisch ausgebrüteten Vogelkinder die Gesänge von dem Vater lernen. Ich habe selber zu diesem Thema ein Symposium mit Wissenschaftlern, mit Bio-Akustikern, die das erklären können, ein Hirnforscher, der erklärt hat wie das funktionieren kann im Spatzenhirn, und Künstler, und ein Schwärme-Forscher, das ist ja ein brandaktuelles Thema, Schwarmforschung, um Menschenmassen zu lenken. Diese Schwarmintelligenz ist ein sehr spannendes Thema, und es wird untersucht, wie diese Bewegungen gesteuert werden. Es gibt keinen Anführer, es gibt nur eine Gruppendynamik. Das sah man in dem Video Tempo, Tempo auch. Forschung, wie Menschen sich in Panik in großen Menschenmassen verhalten. Meine eigene Arbeit war, ich habe so eine Art Brutkästen entworfen, und es gab statt Einstiegsloch, Stare brüten in Boxen oder Höhlen, also statt Einstiegsloch gab es ein Lichtspiel aus bunten LEDs, und die Stange war der Anschalter. Sobald sich ein Vogel draufgesetzt hat, ist eine Klangphrase zu hören gewesen. Eine Komposition von mir, eine Collage von ein paar Sekunden Länge. Die waren angebracht, wo ein Star sich gerade eingenistet hatte und sich bis zum Sommer aufhält. Und der sollte das dann entdecken und sollte das dann toll finden, auch mit dem Licht. Die lernen nur in Verbindung mit etwas, was sich tut. Eine reine Lautsprecheransage, ohne das was passiert, das lernen sie gar nicht, die lernen eher, wenn jemand in die Voliere reinkommt und was sagt. Dann lernen die das sofort, weil sie wissen, aha, das ist die Frau, und dann erkennen und lernen sie diese Phrasen sehr schnell. Deswegen habe ich dieses Lichtspiel gemacht. Der Erfolg wäre gewesen, wenn ich da im nächsten Jahr an die gleiche Stelle gekommen wäre und die Jungen von diesem Vogel meine Phrase gelernt hätten. Ich hätte dann durch Tonbandaufnahmen beweisen können, dass diese Jungen meine Komposition wieder mit zurückgebracht haben, und biologisch-dynamisch variieren und weiter transponieren mit ihrem eigenen Gesang. Ich habe dem Star, der mir dankbar ist
dafür, neue Phrasen geliefert, dafür das er dann meine Komposition bildet.
Publikum:
Ja, aber ist der nicht so irritiert wenn er da ein Lichtspiel sieht, das er gleich wegfliegt?
Tilman Küntzel:
Nein, die finden das eigentlich lustig. Was Buntes, was Schrilles, die sind sehr verspielt… Hat aber nicht geklappt. Hat sich nie einer raufgesetzt. Aber schön gedacht. Solche Sachen werden gemacht, aber immer mit gefangenen Tieren, nicht in freier Wildbahn. Ich wollte mir nicht dafür eine Voliere bauen und einen Vogel gefangenhalten, um mit dem Experimente zu machen, oder dem meine Dinge aufzuzwängen. So weit wollte ich dann doch nicht gehen. Ich bin schließlich Künstler und nicht Bio-Akustiker. Das hätte  funktionieren können, dass sich da ein Vogel draufsetzt. Ich hatte den botanischen Garten gewonnen und durfte da an fünf Bäumen unterschiedliche Kästen anbringen und hab dann da ab Februar gestanden vor den Kästen und hab gewartet und gewartet, aber es passierte nichts. Es blieb also ein theoretisches Projekt.

Units für Stare – zum Lehren von Tonfolgen
Botanischer Garten Berlin, Februar/März 2006
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Dieser Vortrag wurde publiziert im Katalog Position., der Katalog zur Ausstellung und Forum in der Fabrik der Künste, Hamburg 2013.
Verlag für permanente Kunst ISBN 978-3-944173-91-7
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Der vollständige Vortrag als Video (link: video)
und als pdf zum download (link: PDF)

Dieser Text wurde aus dem Video transkribiert von Michael Maierhof.

Skype Interview

Wie sind Sie zu klangbasierten Werken gekommen, seit wann arbeiten sie mit Klängen?

„[TK:] Bei mir war es eindeutig die familiäre Prägung, also [ein] musikalisches Elternhaus, Musikpädagogen in erster Linie, und [ich bin] schon früh mit diesen Aktivitäten konfrontiert worden. Auch mit dem häuslichen Musizieren, das war immer ein Teil. Und auch die Natur um das Elternhaus herum ist wichtig, mit vielen Vögeln und so im Garten, und das Sitzen unter dem Flügel ist auch so eine Schlüsselerfahrung gewesen als kleines Kind. Und die Höreindrücke davon, und so weiter. Und dann hatte ich mich ja mehr der Kunst zugewandt und dann im Kunststudium schon vom ersten Semester an eigentlich diese Verknüpfung angestrebt und hatte da auch ziemlich viel Glück, dass am Lerchenfeld [Anmerkung: Die Hochschule für bildende Künste Hamburg] damals der Gerhard Rühm dort war, und der Claus Böhmler auch, [der] diese Verknüpfung von Hören und Sehen eigentlich immer thematisiert hat, und [dadurch] bin ich da gut aufgehoben gewesen, und auch der Direktor Carl Vogel hat da Ambitionen gehabt und das gefördert. So waren dann auch viele Gastprofessoren aus der Fluxus-Szene zu Gast und haben da Arbeiten aus dem Performance- und Happening-Bereich vorgestellt und auch mit uns Projekte gemacht. Henning Christiansen zum Beispiel, und Philip Corner und Bo Hansen, und so Leute. Und [da] habe ich fruchtbaren Boden gefunden und habe eigentlich ab dann versucht, die Malerei erst in Klänge umzuwandeln, und die Malerei mit Klängen zu begleiten, und bin dann über Klanginstallationen, Rauminstallationen, so weiter gegangen. Oder mit Klangobjekten eigentlich, [ich habe] also sehr ästhetische Objekte gebaut, die Licht und Klang beinhaltet haben.“

Steht die Klangkunst im Mittelpunkt Ihres künstlerischen Schaffens? (wenn nicht, in welchen künstlerischen Bereichen arbeiten Sie?)

„[TK:] Das ist schon ganz wichtig, dass ich da eine eigene Position habe, weil ich einfach aus der Bildenden Kunst komme und, was du vorhin auch gesagt hast, ich kann einfach auch bauen [lacht], und baue auch wahnsinnig gerne Dinge und bin auch sehr materialverliebt. Deswegen möchte ich auch mit meinen neuen Arbeiten wieder mehr zur Skulptur und mehr in den Bildenden Kunst-Kontext, obwohl sich an der eigentlichen Arbeit überhaupt nichts ändern wird, also das wird immer noch mit Licht und Tönen zu tun haben. Aber ich möchte mich ein bisschen aus diesem Korsett befreien, dass das jetzt Klangkunst ist, das ist eher behindernd, finde ich, weil ich eben auch viel mehr materialästhetisch arbeiten will, und die Klänge als Teil einer Skulptur sehen will, und weniger als kompositorischen Verlauf, also den Zeitparameter eigentlich raushaben will.“

Wenn Sie wählen müssten… Würden Sie Ihre Arbeit eher der Bildenden Kunst, der zeitgenössischen Musik oder einem anderen Bereich zuordnen? Warum?

„[TK:] […]von meinen Wurzeln her wollte ich immer in diesem Bildende Kunst-Kontext bleiben, und den Klang als Zustand, als Material, dazu einführen. Ich habe das auch nie als Musik oder so konzipiert, oder verstanden, mehr eben als Klang, der mit der physischen Form und mit dem Material zusammen funktioniert, und auch nicht im Verlauf. Es gibt da auch keine Narrative, keinen Anfang und kein Ende, sondern in meinem Verständnis sind die Klänge mehr Zustände, die eine Stimmung bilden – wie zum Beispiel ein bestimmtes farbiges Licht auch eine bestimmte Stimmung evoziert, sollen auch diese Klänge eigentlich das Material in Stimmungen eintauchen, oder so. Und dann darüber skulptural funktionieren.“

Fragen zu Klangkunst – A German Sound

Können Sie Ihren künstlerischen Beitrag kurz beschreiben?

„[TK:] Der Titel ist ‚Allegorie der Schreibtischlampe’, und das war einfach die Beobachtung, dass [ein] Lampenschirm eigentlich [eine] ähnliche Form hat wie ein Lautsprecher. Und darüber kam es dann [dazu], dass ich eine Lampe nachgebaut habe und anstatt eines Reflektors den Lautsprecher eingebaut habe. Und wenn man den Schalter betätigt, hört man das Geräusch vom Schreiben – also das, was die Lampe eigentlich beleuchtet, wird als Echo von dem Lampenschirm wiedergegeben, und man hört das virtuelle Schreibgeräusch, das die Lampe sonst wahrscheinlich wahrnehmen würde, wenn sie ihren Dienst da erfüllt. Und es ergab sich eben dann, dass das auch formal sehr gut funktioniert hat und die Lampe von Weiten wie eine normale Lampe aussieht. Nur wenn man genau hinschaut, ist eben der Reflektor ein Lautsprecher. Das kam zustande, weil die Organisatoren ein klares Konzept entworfen hatten, indem sie dann Künstler angesprochen haben, wo sie schon wussten, dass sie Arbeiten haben, die sich in dieses Konzept gut integrieren würden. Weil diese Arbeiten sollten ja unentgeltlich zu Verfügung gestellt werden, und deswegen war wohl auch ein Aspekt, dass sie Leute angesprochen haben, wo sie schon die Ahnung hatten, dass es diese Arbeiten gibt. Das Konzept war ja eben ein Raum mit einem Tisch und einem Regal und einem Stuhl davor, und das war ein leerer Raum quasi, [den] dann diese Arbeiten bestücken sollten. Und zu dem Tisch passte eben dann diese Lampe sehr gut und deswegen kam das so, dass dann die Wahl auf diese Arbeit fiel.“

Welche Begriffe halten Sie für brauchbar, um Ihr Werk zu beschreiben? (Klanginstallation, Klangskulptur, …)

„[TK:] [Antwort in Bezug auf beide Beiträge Küntzels, zu ‚Klanginstallation BUGA 2011‘ wie auch zu ‚Klangkunst – A German Sound‘] [Es sind] eigentlich Klangobjekte, sie sind natürlich auch im Raum inszeniert, von daher ist es so ein Zwischending – die Lampe ist ein Klangobjekt, das dann wiederum mit anderen Arbeiten im Raum installiert ist, aber das ist jetzt keine klassische Klanginstallation in meinem Sinne.“

Wie haben Sie die Reaktion der Ausstellungbesucher wahrgenommen? Welche Wahrnehmungsweisen bzw. welches Verhalten wünschen Sie sich von Ausstellungsbesuchern?

„[TK:] Ich wirke nicht auf das Publikum ein, ich beobachte das gerne […] Es gibt gerade in der Klangkunst auch viele Betrachter, die in den Raum gehen und erst mal nur abchecken, wie was funktioniert, wo hier ein Lautsprecher ist, und dann sehen sie, aha, das ist so und so, und das ist die und die Software, […] und hier ist dies und hier ist das – die also ganz pragmatisch den Raum untersuchen auf das, was da technisch realisiert ist, und das finde ich sehr störend. Deswegen inszeniere ich auch ungerne so, dass man die Technik sieht, oder dass da Lautsprecher herumstehen, oder Lautsprecher hängen, oder so – weil das immer dazu verleitet, eben nur auf diese Technik das Augenmerk zu richten, und was dabei auf der Strecke bleibt, ist natürlich die Sinnlichkeit. Also, dass man den Raum betritt und einfach nur die Atmosphäre, den Charakter eines Raumes in sich aufnimmt, das bleibt dann auf der Strecke, wenn man nur im Kopf hinterher ist, herauszufinden, wie das Ganze funktioniert, ob das jetzt interaktiv funktioniert, was auch sehr populär ist – also viele Leute denken, wir müssen da jetzt irgendetwas tun und dann kommt da ein Klang heraus, und so. Das finde ich eigentlich sehr lästig, weil das eben die Aufmerksamkeit, die sinnliche Wahrnehmung, behindert.“

Wie stehen Sie zur Präsentation von Klangkunst im Kontext von Gruppenausstellungen?

„[TK:] Das ist eigentlich die Mehrzahl, dass es so Gruppenthemen-Ausstellungen gibt zu Klängen, also eine Einzelausstellung ist eher seltener als so Gruppengeschichten, gerade bei Festivals. Da geht es eigentlich immer darum, wie kann die funktionieren neben anderen Arbeiten, die vielleicht auch mit Klängen arbeiten, oder stumm sind. Das ist immer ein Thema, wo man dann vor Ort zusehen muss, wie man das positioniert oder [so] einstellt, dass es funktioniert.“

Gespräch Bernhard Gal HÖRORTE | KLANGRÄUME
Eine transdisziplinäre Topografie installativer Klangkunst