Alle Beiträge von Tilman Küntzel

Singing Balloons

Festival g-garage Stralsund 2005
Licht-/Klanginstallation zum Thema „forget it! don’t trust your archives“ im Speicher 9 am alten Hafen.
In einem alten baufälligen Speicher am Stralsunder Hafen sind vier Ballone zwischen Balken eingeklemmt. Die Ballone messen 2.50 Meter im Durchmesser und sind von innen beleuchtet. Unaufhörlich hört man das Zischen und Pfeifen entweichender Luft. Die in den Ballonen befindliche Luft symbolisiert den Atem des Künstlers, der hier durch kontrolliertes Entweichen Töne generiert. Die Lunge als Speichermedium zum Generieren von Klang, der Sprache und Gesang hörbar macht. Hier ist es die Sprache der Ballone die für den verwaisten Speicher sprechen, aus dem ebenfalls bereits die Luft raus zu sein scheint: eine Metapher für digitale Speichermedien, die ihre Überladung nicht durch physische Entladung anzeigen können. Dadurch wachsen die Datenmengen zu einer undurchdringlichen Masse an, die nicht mehr zu verwalten ist und dadurch unbrauchbar zu werden droht.

Brigitte Zimmer

star_unit

Stare sind wahre Gesangskünstler. Sie imitieren eine Vielfalt von Vogelarten und anderen Lauten. Stare verfolgen über ein Repertoire von etwa 15 bis 20 unterschiedlichen Nachahmungen. Die Zugvögel singen individuelle Strophen und sogar in ortsbezogenen Dialekten, die sie von anderen Staren lernen. Wenn sich ein Starenpärchen an einem anderen Brutplatz niederlässt, erlernt es den dortigen Dialekt. Das menschliche Ohr ist schlicht überfordert, die Vielzahl der nur jeweils eine halbe Sekunde dauernden Bausteine einer Gesangsphase zu identifizieren. Der Wissenschaf geben die erstaunlichen Leistungen der Vögel immer noch große Rätsel auf. Wie machen es die kleinen schwarzen Gesellen und wozu der ganze Aufwand? Den Aktionskünstler Tilman Küntzel haben die mimetischen Fähigkeiten der Tiere zu einem Projekt inspiriert, das als pseudowissenschaftliche Versuchsanordnung Gestalt annahm. Die Installation „Units für Stare zum Lehren von Tonfolgen“ ist vom März bis Juni 2005 im Arboretum des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem eine kurzzeitige Attraktion. Sie besteht aus fünf Elementen, die optisch an Nistkästen erinnern und wie diese über Sitzstangen verfügen. Setzt sich ein Vogel darauf, löst es damit eine Klangfolge aus, die von einem Lichtspiel aus verschiedenen LEDs begleitet wird. Die Installation stellt ein Angebot an die wild lebenden Vögel dar, ihr Gesangsrepertoire zu bereichern. Man darf gespannt sein, wie die Vögel auf die Scheinbrutkästen reagieren.
Vielleicht pfeifen die Stare des Botanischen Gartens ja auf die Kunst am Baum. TilmanKüntzel würde das nicht sonderlich betrüben. Schließlich ist sein automatisierter Gesangsuntericht auch nur Blendwerk. Ernsthaft neugierig ist er auf die Reaktionen der Menschen, die sich fragen,warum Starekästen im Botanischen Garten piepen, zische, Russisch sprechen und dabei auchnoch blinken.

Brigitte Zimmer April 2005
Direktorin Öffentlichkeitsarbeit Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin

Lightning Blue

Lichtakustische Inszenierung zwischen dem Wasserkraftwerk an der Ruhr und dem Brunnen mit Fließrinne an der Sparkasse in Fröndenberg an der Ruhr.
Ein Projekt im Rahmen von Hellweg – ein Lichtweg der Region Hellweg (Kurator: Matthias Wagner K) vertreten durch die Kommunen Bergkamen, Fröndenberg, Kamen und Lippstadt. Gefördert vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW.

 

Berlin*

Symposium – Konzerte – Installationen
STARE ÜBER BERLIN
Ästhetische Analogien des Vogelsangs
4. – 24. September 2004
Mit Rudolf zur Lippe, Jens Krause, Jörg Böhner, Hans-Joachim Leppelsack, Cassa Bornemisza, Isabel+Roger Mundry, Rudolf Frisius, Frauke Behrendt, Andreas Runte, Wolfgang Müller, Claus van Bebber, Steve Kaspar+Yuko Kominami, Christina Kubisch, Tilman Küntzel, Jens-Uwe Dyffort+Roswitha von den Driesch, Jutta Ravenna, Manfred Kroboth, Jutta Konjer, Perlonex = Burkhard Beins+Ignaz Schick+Jörg-Maria Zeger, Heather O’Donnell, Martin Riches+Alexander Kolkowski.
In Kooperation mit Podewil – Elke Moltrecht – Berliner Kulturverwaltungsgesellschft mbH, gefördert durch Hauptstadt Kulturfonds in Partnerschaft mit Stiftung Stadtmuseum Berlin, Staatsoper unter den Linden, Museumsinsel Festival-Staatliche Museen zu Berlin.
Inszeniert und kuratiert von Tilman Küntzel
Katalog