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Units für Stare zum Lehren von Tonfolgen

Bundes Gartenschau Koblenz 2011 Rhododendronhain am Kurfürstlichen Schloss, Aix – Arcadia zur Zukunftsfähigkeit von Kulturlandschaften Temporäre Gärten© in Aachen im Rahmen der EuRegionale in der Soers Aachen 2008, Botanischer Garten Berlin-Dahlem
2. Versuchsanordnung 2005, Berlin-Wedding 1. Versuchsanordnung 2004

Die Installation Units für Stare zum Lehren von Tonfolgen ist ein konzeptionelles Projek und pseudowissenschaftliche Versuchanordnungt. Sie besteht aus fünf Elementen, die optisch an Nistkästen erinnern und wie diese über eine Sitzstange verfügen. Setzt sich ein Vogel darauf, löst er damit eine Klangfolge aus, die von einem Lichtspiel aus verschiedenfarbenen LEDs begleitet wird. Die Funktionsweise und der Einsatz dieser Elemente ist an Erkenntnisse der Bioakustik angelehnt, in der das Hören, Imitieren und Rezitieren von Klängen der Umwelt bei Singvögeln erforscht wird. Worauf ich in meiner Beobachtung verzichte, sind die kontrollierten Bedingungen, durch die eine solche Versuchsanordnung zu wissenschaftlich relevanten Ergebnissen führen könnte. Die Installation stellt ein Angebot an die wild lebenden Vögel dar, ihr Gesangsrepertoire zu bereichern.

Die Mimesis, die Nachahmung der Natur, ist für die Künste die Inspirationsquelle par exellence und das seit Urzeiten. In der Klangökologie wird die Wahrnehmung des urbanen akustischen Umfeldes entdeckt und nach ästhetischen Gesichtspunkten bewertet. In diesem Sinne ist diese Installation auch ein klangökologisches Projekt. Mir geht es jedoch um mehr als um das Hinhören im Sinne einer „Behübschung der Welt“ oder eines „ameublements“ im Park. Dazu übersteigt der Gesang des Stars, der in einer Gesangsphrase eine Vielfalt von Bausteinen einbindet, die nicht länger als eine halbe Sekunde lang sind und sich vornehmlich in der Einleitungsphase befinden, die Trägheit unserer auditiven Wahrnehmung. Vielmehr fasziniert mich hierbei der „organisch transformative“ Prozess des Vermittelns von mimetischen Gesangsbausteinen an die nächste Generation, die individuell gestaltete Strophenbildung mit eindeutigem Formenaufbau incl. Variablen, sowie die kognitive Steuerung des Vortrags, der, ermöglicht durch eine Doppelmembrane, zweistimmig rezitiert wird. Letztendlich geht es um musikalische Komposition, und hier eröffnen sich Fragestellungen der Wahrnehmung, Kreativität, Individualität und Ästhetik. Für den Singvogel ist die Gesangs- und Improvisationskunst eine arterhaltende Notwendigkeit, aus der heraus er seinen Strophenaufbau gestaltet, der den Regeln musikalischer Komposition alle Ehre macht. Durch die Fähigkeit der Imitation von Klängen und Geräuschen seiner Umwelt betreibt er Mimesis im umgekehrten Sinne.

Mit dem Projekt „Units für Stare, zum Lehren von Tonfolgen“ biete ich dem Star weitere Lautfiguren an, die er als Motive in seine individuellen Gesangsphrasen einbauen kann. Freilich würde der Star auch ohne mein Zutun genügend Gesangsbausteine finden, jedoch würden ich und andere Rezipienten nicht so genau auf den Gesang achten, wenn nicht die Suche nach einem Eigenanteil in den Lautäußerungen die Aufmerksamkeit fördern würde.

Aix – Arcadia zur Zukunftsfähigkeit von Kulturlandschaften

Temporäre Gärten© in Aachen im Rahmen der EuRegionale 2008
Kurator: Daniel Sprenger, Berlin
14. – 29. Juni 2008 in der Soers, Aachen

In der Soers sind Stare zu beobachten, die Ihren Lebensraum im Länderdreieck um Aachen haben. Diese Tiere weisen ein besonderes Sozialverhalten auf, was sie zu einer sehr erfolgreichen Spezies macht. Zentrale Eigenschaft ist die Fähigkeit Klänge aus der Umgebung zu lernen und zu imitieren. Die so erlernten Klangphrasen, die sehr komplex sein können, werden in das Repertoire eines Individuum aufgenommen, mit stareigenen Lauten gemischt und variationsreich rezitiert. Das somit individuell angereicherte Klangrepertoire wird vom Vater an die Jungtiere weitergelernt. Durch die individuelle Umgebung bildet jedes Brutpärchen so einen eigenen „Dialekt“ aus, durch den sie sich von Individuen aus anderen Regionen unterscheiden. Die Klänge sind vornehmlich aus der unmittelbaren Umgebung entnommen und können sowohl aus dem Gesang andere Vögel bestehen, als auch aus im Wind quietschenden Ästen oder sprudelnden Wasserläufen, sowie aus technischen Geräten wie Autos, Fabrikgebäude oder Handys der Besucher. Je mehr ungewöhnliche  Klänge ein Männchen hervor bringt, des do mehr kann er damit die Weibchen beeindrucken.
Dieses Projekt thematisiert die akustische Wahrnehmung des Raums in der Naturlandschaft Pferdelandpark. Durch das Lauschen nach Stare-Imitationen wird die akustische Wahrnehmung während des Gehens entlang des weißen Weges gefördert.
Mit Dank an Eva Boskamp, Tilman Küntzel 2008