Alle Beiträge von Tilman Küntzel

Pulsare

Größe: 238 x 76 cm. Material:  Ölkreide auf Sperrholz,  Eisen, Flackerbirnen, Lautsprecher, Autoreverse Walkman. Sockel: Kreide auf Multiplex, Stahlstangen, Tischtennisbälle, langsamdrehende Motoren.

Hamburg Stipendiaten K3, Hamburg 1992, Galeria Arsenal Bialystock (Pl.) 1992.

Polyrhythmic Soundscape

Lights & Sounds by Tilman Küntzel Max Mueller Bhavan (Goethe-Institute) New-Delhi (Ind) 1997, Galeria Rostrum Malmö (S) 1997.

In der Klangraum-Installation für das Max Mueller Bhavan habe ich 8 Objekte mit Lauflichtern auf dafür angefertigten Sockel präsentiert. Es handelt sich um Darstellungen diverser Gotheiten, vornehmlich aus dem Hinduimus. Sechs dieser Objekte habe ich im Electronicmarcet in Old Delhi erworben. Alle Objekte sind mit Lauflichtern ausgestattet, wobei fünf davon statische Blinkintervalle aufweisen. Zwei sind in der Laufgeschwindigkeit regulierbar, in einem steuern wärmeempfindliche Birnen die Intervalle, wodurch diese hier ständig variieren. Durch geringe Manipulation habe ich die visuellen Rhythmen der Lichterketten in akkustische Impulse umgewandelt, sodaß jedes Objekt einen indeviduellen  Intervall spielt. Zusammen bilden sie den „polyrhythmischen Klangraum“. Durch die Komplementärverschiebung der acht „gefundenen“ Rhythmen bildet sich eine aleatorische Polyrhythmik, welche unendlich lange spielen kann, ohne dass es zu einer Wiederholungen kommt.

The Sound of Eierschneider

Größe: 88 x 76 cm. Material: Ölkreide auf Multiplex, Plakatfarbe auf Serrholz, Eisen, Gebläse, Lametta, Lichterkette, Eierschneider.

Hamburg Stipendiaten K3, Hamburg 1992, Galeria Arsenal Bialystock (Pl.) 1992, International Art Center Posnan (Pl) 1993.

At first glance they seem to be ‚abstract‘ and free of concrete function, even if one can find familiar everyday objects, such as three ping-pong balls in Pulsars and an egg-cutter that is integrated in the central opening of the second object. From the back threads of lametta flutter against the cutting wires and produce a metallic sound; amplified through spatial resonance and loudspeakers ‚material sound‘ is ‚transmitted‘: the tightened metal wires of the kitchen utensil have become strings of a strange musical instrument. One of the sound openings of the cosmic-blue object is formed as an early-Byzantine note symbol.
The sounds as such arouse associations of mechanical chimes or tubular bells touched by the stream of air. Every ‚body‘ is loaded with energy, has its vibration and can be set swinging. The German avant-garde film-maker Oskar Fischinger in a conversation with John Cage once said: Every object has a soul; and this soul can be released by setting the object swinging.

Hinter Liebfrauen

Allgemeiner Konsumverein e.V. Braunschweig
5. – 28. Mai 2007

Als ich den Ausstellungsraum des Konsumvereins besuchte, fiel mir folgende Situation auf: der Besucher gelangt in den Ausstellungsraum, indem er einen verwinkelten Weg mit Höhenunterschiede überwinden muss. Es ist wie eine Schleuse, die der Besucher durchschreitet, bis er schließlich in einen licht-durchfluteten leeren Raum gelangt. Hier strahlt das Tageslicht durch den Raum hindurch, da die Wände rechts und links mit großen Fenstern ausgestattet sind.
Mit dem Zurücklegen dieses schleusenartigen Weges beginnt der Besuch des Betrachters hinein in eine Situation, die in Erwartung einer künstlerischen Setzung begangen wird. Am Ende eröffnet sich der Ausstellungsraum gleich einem Atrium.

Mit dem Konzept Artrium möchte ich dieses Szenario intensivieren. Dazu soll die helle, nach dem Schleusengang sich öffnende Umgebung des eigentlichen Ausstellungsraums intensiviert werden, indem die Raum mit Trockeneisnebel angefüllt wird. Dieses würde dazu beitragen, dass das Licht, sowie die eindringenden Sonnenstrahlen sich in dem Volumen des Raumes bricht und den Nebel weiß erscheinen lässt.
Begibt sich der Betrachter nun in diesen weißen Nebel, wird die visuelle Wahrnehmung weitestgehend reduziert, da die Begrenzungen des Raumes nur noch schemenhaft zu erkennen sind. an den Wänden sollen kleine Parabolschalen angebracht werden, in deren Mittelpunkt noch kleinere Lautsprecher angebracht sind aus denen Klangereignisse tönen. Diese Parabolschalen bündeln die Klänge dahingehend, dass der Besucher nur an bestimmten Punkten das akustische Ereigniss deutlich hört. Beim Durchschreiten des Raumes durchläuft der Betrachter nun diese Stänge von Klangereignissen je nachdem an welcher Position er sich befindet. Für die Wahl der Klänge möchte ich mir noch Zeit erbeten, bis klar ist, ob dieses Konzept realisiert werden kann. Jedoch sollen es wahrscheinlich sinustonartige monotone „stehende“ Frequenzen sein.

Mann am See

Material: Holz, Stahlstangen, Stahlfeder, Salzkonfekt „Fischies“ lackiert.

Tilman Küntzels Klangskulptur MANN AM SEE (1989) erscheint wie eine Hommage an jenes Welterleben und in der Art ihrer figürlichen Abstraktion und fragmentarischen Erscheinung erinnert sie an die phantasievollen Figurenspiele und Selbstbildnisse Paul Klees, obgleich kunsthistorisch keine Brücke zu schlagen wäre. Bei Klee steht das „innere Auge“ symbolisch für eine verinnerlichende Anschauung, die über die äußere Erscheinung hinaus zu einer Vermenschlichung des Gegenstandes führt, „die das Ich zum Gegenstand in ein über die optischen Grundlagen hinausgehendes Resonanzverhältnis bring[t].“
Die Zwiesprache mit der Natur gleicht bei Klee einem dynamischen Zustand, einem Zustand zwischen Traum und Realität, könnte man sagen. Mit dem MANN AM SEE wollte Tilman Küntzel nun dem Moment des wachen Träumens beim Anblick von Fischschwärmen, Vögeln, Wasser und Wolken, ein Denkmal setzten. Das Objekt besteht aus einem Holzkorpus in Form einer menschlichen Figur als Resonanzkörper, der auf einer Spirale in einem Betonsockel verankert ist und aus dessen Kopf lange Edelstahldrähte ragen, die mit einem Steg im Inneren des Korpus verbunden sind. Am Ende der Drähte sind kleine Figuren befestigt, die die Form von kleinen Fischen haben und die laut Küntzel lackiertes „Fischli“ Salzgebäck ist.
Durch Windbewegungen werden nun Korpus und Drähte in Bewegung gebracht. Die vielen „Fischlis“ stoßen aneinander und erzeugen diffuse Geräusche. Diese werden auf den Resonanzkörper (die menschliche Figur) übertragen und treten durch die Schallöcher, die Küntzel – berechnet nach den Regeln der Instrumentenbaukunst– in Form eines Spazierstocks durch Decke und Boden brach, heraus und werden als Resonanzklang hörbar. Der MANN AM SEE symbolisiert damit gewissermaßen die sinnliche Wahrnehmung, das leibliche Sich-befinden des Menschen in der Natur. Zugleich wird die Natur, hier selbst Mitspielerin der Kunst, auch als Quelle musikalischer Inspiration vorgestellt. (…)

Melanie Uerlings aus dem Essay: Im Dialog mit den Vögeln
in: Strukturgeneratoren und andere Allegorien
Saarbrücken 2002

400 Lights for Olbers‘ Paradox

Ausstellungsprojekt Up to the Stars
Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V.
Potsdam, Schiffbauergasse  2000
Kuratiert von Christoh Tannert

400 Stangen sind wie ein Blumenstrauß in einen ausgedienten Schornstein gesteckt. Am oberen Ende der Stangen leuchtet jeweils ein Lämpchen. Die Stangen sind im Wind beweglich.
Das Olbers‘ Paradoxon beschreibt verschiedene Theorien um die Frage, warum der Nachthimmel dunkel ist. Da die Strahlen der Sonne theoretisch an jeder Stelle am Himmel auf einen Stern treffen, müßte der Nachthimmel eigentlich hell sein.

Fotostrecke von 21 Bildern incl. das „making of“.

Cave Music

Permanente Klanginstallation in der Ausstellung
„Zeichen – Bücher – Netze: Von der Keilschrift zum Binärcode“
des Deutschen Buch und Schriftmuseums Leipzig
in der Deutschen Nationalbliothek Leipzig seit März 2012

Vor der Schrift nutzten Menschen Laute und Bilder, um sich zu verständigen. Knochen wurden geritzt, Höhlenwände besprüht. Frühe Formen der Sprachkommunikation werden bereits beim Homo Erectus vermutet, der vor bis zu 1,8 Millionen Jahren die Erde bevölkerte. Strukturierte Sprache entsteht erst allmählich. Die Klanginstallation von Tilman Küntzel versetzt den Zuhörer in eine Sphäre der Sprechgesänge und der gesprochenen Sprache, in ein Zeitalter der Mündlichkeit.
Stefan Iglhaut (Iglhaut+von Grote GmbH)